Helfende und Hilfe-Empfänger. Humandifferenzierung zwischen Solidarität und Sortierung in Portugal und Brasilien

Teilprojekt B04 des Sonderforschungsbereich 1482 „Humandifferenzierung“

Informelle Hilfepraktiken sind von einer zentralen Ambivalenz gekennzeichnet: Einerseits zielen sie auf ein humanistisches Ideal menschlicher Gleichheit, andererseits gehen sie mit der Benennung, Sortierung und Hierarchisierung von Menschen einher. Sie können sowohl von verfestigten behördlichen Berechtigungskategorien generiert als auch durch emotional-affektive Unterscheidungen konkretisiert, hinterfragt oder gebrochen werden. Das TP untersucht das Wechselverhältnis von Fremd- und Selbstkategorisierungen in unterschiedlichen ‚Kontaktzonen der Hilfe‘ (Nachbarschaftsinitiativen, Netzwerke, Projekte und Vereine), in denen Helfer mit Hilfe-Empfängern interagieren. Das TP beleuchtet die Humandifferenzierungen, die zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und Menschen, die als bedürftig klassifiziert werden, ausgehandelt werden mit der Fragestellung, welche Humankategorien zur Ermächtigung oder Entmächtigung von Menschen beitragen. Dabei verfolgt es vier analytische Fragen: (1) Wie sortieren und hierarchisieren freiwillige Helfer Menschen, die sie als hilfebedürftig wahrnehmen? (2) Welche Gemeinschaftszugehörigkeiten und Gruppenidentitäten der Helfer werden durch die Hilfe-Praxis hervorgebracht? (3) Welche Folgen hat die Hilfe-Praxis für die die Ethnosoziologien, die Selbstklassifikation und die Handlungsspielräume von Menschen, die Hilfe empfangen? Und (4) wie kategorisieren die Hilfe-Empfänger umgekehrt die freiwilligen Helfer und deren Organisationsformen (4).

 

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