Unter den insgesamt rund 30 Universitätssammlungen der JGU sind drei mit dem ifeas verbunden: das Archiv für die Musik Afrikas (AMA), die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen und die Ethnografische Studiensammlung.

Daneben finden sich am ifeas einige kleinere Archive: das Leo-Stappers-Archiv mit der Forschungsbibliothek des ehemaligen Professors für für Afrikanische Philologie Leo Stappers (*6. Juni 1919 – †18. April 1977), ein Bildarchiv zu afrikanischen Unabhängigkeitsfeiern, sowie ein Archiv zu Westafrikanischer Siedlungsgeschichte.

Ernst-Wilhelm-Müller-Stiftung

Die Ernst-Wilhelm-Müller-Stiftung fördert Projekte des Archivs für die Musik Afrikas, der Ethnografischen Studiensammlung sowie der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen am Institut für Ethnologie und Afrikastudien, JGU Mainz

Ernst Wilhelm Müller begründete die Stiftung mit seinem Testament vom 15. November 2013. Sein letzter Wille galt der Förderung des Archivs für die Musik Afrikas, der Ethnografischen Studiensammlung sowie der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen am Institut für Ethnologie und Afrikastudien.

Ernst Wilhelm Müller (1925-2013) war der Johannes Gutenberg-Universität über viele Jahre verbunden, zuerst als Student, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter (1948-1958) und später, bis zu seiner Emeritierung, als hochschulpolitisch engagierter Professor für Ethnologie (1969-1986). Als Leiter des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien setzte er sich tatkräftig für die Einrichtung der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen und des Archivs für die Musik Afrikas ein.

Nachdem er sein Studium zunächst in München begonnen hatte, wechselte Ernst Wilhelm Müller zum Wintersemester 1948/49 an die Johannes Gutenberg Universität-Mainz, wo er Völkerkunde und Afrikanistik studierte. Von 1949 bis 1951 hatte er eine Anstellung als erste studentische Hilfskraft am Institut für Völkerkunde (wie das heutige Institut für Ethnologie und Afrikastudien damals hieß). Im Jahr 1951 wurde Müller in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen. Als Student bzw. Doktorand nahm er zwischen 1951 und 1954 an einer Feldforschung bei den Ekonda und Bolia im damaligen Belgisch-Kongo teil. Die sogenannte Mainzer Kongo-Expedition, eine der ersten großen deutschen Feldforschungsreisen der unmittelbaren Nachkriegszeit, wurde von Erika Sulzmann geleitet. Die über 500 Objekte bei dieser Forschung gesammelten Objekte bildeten den Grundstock der Ethnografischen Studiensammlung. Aufgrund schwerer Erkrankungen während der Expedition sollte diese Forschungsreise die einzige in Müllers Laufbahn bleiben. Während der Expedition wurde Müller der oben abgebildete Würdestab (ensina) überreicht. Bei den Ekonda wurden solche Würdestäbe vor allem von älteren Männern verwendet. Dass Ernst Wilhelm Müller diesen Stab trotz seines damals noch jungen Alters erhielt, war eine besondere Ehre.

1955 schloss Müller seine Dissertation mit dem Titel „Das Fürstentum bei den Südwest-Mongo (Belgisch Kongo)“ bei dem Kulturmorphologen Adolf Friedrich ab, dem damaligen Institutsleiter. 1956 und 1958 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Völkerkunde in Mainz. 1960 ging er als Wissenschaftlicher Assistent zu Wilhelm E. Mühlmann ans Institut für Soziologie und Ethnologie der Universität Heidelberg, wo er bis 1967 blieb und habilitierte („Der Begriff der Verwandtschaft in der modernen Ethnosoziologie“). 1969 erhielt er den Ruf auf eine Professur für Allgemeine Ethnologie zurück an die JGU Mainz und wurde Institutsleiter. 1986 wurde er emeritiert.

Die Mainzer Ethnologin Carola Lentz beschrieb Ernst Wilhelm Müller in ihrem Nachruf als „wichtige[n] Wegbereiter für eine moderne, sozialwissenschaftlich orientierte und interdisziplinär offene Ethnologie, die auf solider empirischer Feldforschung beruht“. Auch Ute Luig, bis zu ihrem Ruhestand Professorin für Ethnologie in Berlin, stellte fest, mit dem Tod von Ernst Wilhelm Müller habe „die deutsche Ethnologie einen ihrer bedeutenden Modernisierer der Nachkriegszeit verloren“. Die Ethnologie war für Müller eine komparative Geisteswissenschaft par excellence. Aus diesem Verständnis des Faches resultiert auch sein konsequent interdisziplinärer Ansatz, den er im Mainzer Institut für Ethnologie und Afrikastudien in exemplarischer Weise umsetzte. Er suchte immer die Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften, wie zum Beispiel der Literatur-, Wirtschafts- oder Geschichtswissenschaft, und betonte besonders die Verbindung von Ethnologie und Soziologie.

01/2025
AMA-Konzert der madagassischen Bands Erick Manana und Jenny Fuhr feat. Solofo // Ralah‘ Trio im Institut français, Mainz

12/2024
Public screening of the film „Eine Kindheit in Nigeria: Wole Soyinka. Ein Film von Vera Botterbusch mit und über Wole Soyinka“ (BR 2000) in the presence of the filmmaker, followed by a discussion

06/2024
AMA-Konzert der madagassischen Band Ralah‘ Trio im Kulturclub schon schön, Mainz

10/2022 – 03/2023
Digitalisierung von Objekten der Ethnografischen Studiensammlung der JGU Mainz aus kolonialen Kontexten (Fortsetzungsantrag)

01/2022 – 10/2022
Digitalisierung von Objekten der Ethnografischen Studiensammlung der JGU Mainz aus kolonialen Kontexten (Fortsetzungsantrag)

09/2022
Forschung zu den Steinzeugkrügen aus dem Westerwald (etwa 18. Jh.) in West- und Westzentralafrika (Einladung von Gastwissenschaftlerinnen)

09/2022
Finanzierung der Teilnahme einer Gastwissenschaftlerin an der Konferenz „Copyright CARE and African Music Archives“

07/2022
„AMA Opening“: Artists in Residence im AMA – Eröffnungsfeier 

07/2022
Unterstützung des Schwerpunktheftes „Musikethnologie“ der Cargo – Zeitschrift für Ethnologie

04/2022
Provenienzforschung zum Kamerun‐Bestand der Ethnografischen Studiensammlung der JGU Mainz (Einladung von Gastwissenschaftlerin)

04/2022 – 05/2022
„African Cassettes“: Erstellung einer Online-Kassettographie

11/2021 – 03/2023
Afrikanische Schriftsteller:innen und Musiker:innen des 20. Jahrhunderts im O-Ton: Digitalisierung historischer Tonbänder des deutschen Afrika-Journalisten Gerd Meuer (1941-2017)

06/2021 – 12/2021
Digitalisierung von Objekten der Ethnografischen Studiensammlung der JGU Mainz aus kolonialen Kontexten

Sulzmann-Stiftung

Gegründet von Dr. Erika Sulzmann, Irma Sulzmann und Roselore Sulzmann fördert die Sulzmann-Stiftung Feldforschung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern in Afrika; sie unterstützt bei der Auswertung der Ergebnisse dieser Feldforschung und fördert die Ausbildung zu den vorgenannten Aufgaben. Zudem werden Auszeichnungen für herausragende einschlägige Abschlussarbeiten vergeben.

Das ifeas ist nicht nur im Bereich der Forschung auf vielen verschiedenen Ebenen international vernetzt: neben den Forschungsprojekten seiner Mitarbeiter*innen, gibt es regelmäßige Aufenthalte internationaler Gastwissenschaftler*innen, Kolloquien, Tagungen und andere Events (Aktuelle Veranstaltungen) am Institut und seinen Sammlungen.

Nachrichten // Veranstaltungen

Jahresberichte

Seit 1997 veröffentlicht das Institut für Ethnologie und Afrikastudien Jahresberichte, seit 2008 in englischer Sprache.

Die Jahresberichte dienen der Information über das Institut und seine einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die verschiedenen Einrichtungen, Studiengänge, geförderte Forschungsprojekte, Promotionen und Habilitationen, Veranstaltungen und Konferenzen, Publikationen und Vorträge, Kooperationen, Stipendiaten und internationale Gäste, Lehrveranstaltungen, abgeschlossene B.A.-, M.A. und Magisterarbeiten sowie aktuelle Studierendenzahlen.

Managing Editors: Matthias Krings, Konstanze N’Guessan und Christine Weil (2025); Bianca Baumann und Christine Weil (2024); Nico Nassenstein, Franziska Reiffen und Christine Weil (2023); Franziska Reiffen (2022); Hauke Dorsch (2021); Nico Nassenstein, Friederike Vigeland und Christine Weil (2020); Tom Simmert und Christine Weil (2019); Karla Dümmler und Eva Riedke (2018); Franziska Reiffen (2017); Afra Schmitz (2016); Konstanze N’Guessan (2014-2015); Anja Oed (2002-2013).

Jahresbericht 2019 / Annual Report for 2019
Jahresbericht 2018 / Annual Report for 2018
Jahresbericht 2017 / Annual Report for 2017
Jahresbericht 2016 / Annual Report for 2016
Jahresbericht 2015 / Annual Report for 2015
Jahresbericht 2014 / Annual Report for 2014
Jahresbericht 2013 / Annual Report for 2013
Jahresbericht 2012 / Annual Report for 2012
Jahresbericht 2011 / Annual Report for 2011
Jahresbericht 2010 / Annual Report for 2010
Jahresbericht 2009 / Annual Report for 2009
Jahresbericht 2008 / Annual Report for 2008
Jahresbericht 2007
Jahresbericht 2006
Jahresbericht 2005
Jahresbericht 2004
Jahresbericht 2003

Das Institut wurde 1946 bei der Neugründung der Johannes Gutenberg-Universität als Institut für Völkerkunde begründet. Von 1947 bis 1956 wurde es von Adolf Friedrich geleitet; Friedrichs Assistentin war Erika Sulzmann. Sie führte von 1951 bis 1954 eine der ersten deutschen ethnologischen Forschungsreisen nach dem Zweiten Weltkrieg durch und forschte bei den Ekonda und Bolia in Belgisch-Kongo (heute Dem. Rep. Kongo). Sie baute die Bibliothek und die ethnografische Studiensammlung auf und sorgte während der vielen personellen Wechsel in den folgenden Jahren für die Kontinuität der Afrikaforschung am Institut. Nach dem Tod von Friedrich 1956 übernahm Wilhelm Emil Mühlmann 1957 die Leitung des Instituts, der schon seit 1950 am Institut eine Außerplanmäßige Professur („Diätendozentur“) für Soziologie und Völkerpsychologie inne hatte.

Mühlmann verließ das Institut 1960, um einen Ruf in Heidelberg anzunehmen. Sein Nachfolger wurde Karl Jettmar, dessen regionaler Schwerpunkt in Asien lag. Nur drei Jahre später folgte er Mühlmann 1964 nach Heidelberg. Erst danach entwickelte sich in Mainz die Afrikaforschung zum Schwerpunkt. Zunächst wurde Eike HaberlandLeiter des Instituts, übernahm aber 1968 eine Professur für Kultur- und Völkerkunde an der Universität Frankfurt am Main, verbunden mit der Leitung des Frobenius-Instituts. Im Jahr 1969 erhielt dann Ernst Wilhelm Müller, der als Student an der Kongo-Expedition von Erika Sulzmann teilgenommen und später bei Mühlmann in Heidelberg habilitiert hatte, einen Ruf nach Mainz und wurde Institutsleiter. Im selben Jahr wurde der „Lehrstuhl für vergleichende Kulturwissenschaft“ an der Mainzer Universität in eine „Professur für Kultur und Gesellschaft Afrikas“ umgewandelt und am Institut für Ethnologie angesiedelt. Seit 1974 wurde diese Professur vom Soziologen Gerhard Grohs besetzt, der die von Mühlmann begründete soziologische Orientierung ausbaute. Nach der Emeritierung von Grohs wurde Thomas Bierschenk 1997 auf diese Professur berufen, nun in „Professur für Kulturen und Gesellschaften Afrikas“ umbenannt.

Seit der Berufung Müllers hieß das Institut „Institut für Ethnologie“, ab 1975 dann „Institut für Ethnologie und Afrikastudien“, um der Präsenz eines zweiten Fachs am Institut, der Afrikanistik (ehemals Afrikanische Philologie), auch im Institutsnamen Rechnung zu tragen. 1984 wurde das Institut erneut um eine Professur erweitert, auf die Ivo Strecker berufen wurde. 1987 trat Karl-Heinz Kohl die Nachfolge Müllers an. Als er im Jahr 1996 an das Institut für Historische Ethnologie und das Frobenius-Institut in Frankfurt wechselte, war die Stelle einige Jahre vertretungsweise besetzt, bis Carola Lentz 2002 seine Nachfolge in Mainz antrat. Sie hatte diese Professur für Ethnologie bis zu ihrer Pensionierung 2019 inne; danach wurde die Stelle in eine Juniorprofessur für Ethnologie mit dem Schwerpunkt „Politische Ethnologie“ (Tenure Track) verwandelt, auf die im Jahr 2021 Franziska Fay berufen wurde.

Die Stelle von Ivo Strecker wurde nach seiner Pensionierung in eine Professur für „Ethnologie und populäre Kultur Afrikas“ umgewandelt, die Matthias Krings seit 2005 innehat. Im Jahr 2016 wurde Heike Drotbohm auf eine Heisenberg-Professur für Ethnologie mit dem Schwerpunkt „Afrikanische Diaspora und Transnationalismus“ berufen und trat 2019 mit der Pensionierung von Thomas Bierschenk dessen Nachfolge an. Die im Jahr 2017 neu geschaffene Professur für Ethnologie mit Schwerpunkt „Ästhetik“ wurde mit Markus Verne besetzt.

Begonnen hat die Lehre in der Afrikanistik in Mainz im Jahre 1946 mit Eugen Ludwig Rapp, Professor für Christliche Orientalistik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Eine eigene Professur am Institut für Ethnologie wurde jedoch erst nach Rapps Emeritierung 1972 eingerichtet, damals unter dem Namen „Afrikanische Philologie“, die 1974 mit dem Bantuisten Leo Stappers besetzt wurde. Bedingt durch dessen Tod im Jahr 1977 kam es bereits 1978 zu einem Wechsel: Paul de Wolf (Bantu- und Sudansprachen, Oratur) übernahm die Professur bis 1982. Sein Nachfolger, Norbert Cyffer, hatte die Professur dann zehn Jahre inne, von 1984 bis 1994, dem Jahr, in dem er einem Ruf nach Wien folgte. Seit 1996 war die Professur durch Raimund Kastenholz (Mande, Adamawa) besetzt, der 2018 pensioniert wurde. Der Namenswechsel des Lehrstuhls in „Afrikanistik“ erfolgte mit dem Amtsantritt von Nico Nassenstein (Bantu) im Jahre 2017. Während Kastenholz seinen Themenschwerpunkt in der Typologie und der funktionalen Grammatik hat, ist Nassenstein vorrangig im Bereich der Soziolinguistik tätig und gibt der Mainzer Afrikanistik dadurch eine neue Richtung.

Im Rahmen der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU), die die Institute für Afrikanistik der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Technischen Universität Darmstadt umfassen, haben Nico Nassenstein in Kooperation mit Axel Fleisch, der seit 2018 die Professur in Afrikanistik am Frankfurter Institut innehat, einen neuen B.A. Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation aufgebaut. Durch die Bündelung des Lehrangebots der beiden Institute ist es möglich, ein breiteres Spektrum an afrikanischen Sprachen und Inhalten (Soziolinguistik, Anthropologische Linguistik) anzubieten. Die empirische Sprachwissenschaft wird den Studierenden jedoch auch weiterhin als Kernkompetenz vermittelt.