Lehrveranstaltungen im laufenden Semester

Neopaganismus

Dr. Hauke Dorsch

Kurzname: Neopaganismus
Kursnummer: 07.798.287

Inhalt

In den vergangenen Dekaden ist zu beobachten, dass eine wachsende Zahl von Personen sich als „Heiden“, „Heidinnen“ bzw. „Pagan“ bezeichnen, sich in Gruppen zusammenschließen und in einigen Ländern für ihren jeweiligen Glauben auch den Status als anerkannte Religion erringen.
Wurden heidnische Bewegungen zunächst meist von den Religionswissenschaften als Neue Religionen oder Spiritualität im New Age-Umfeld diskutiert, sehen neuere sozialwissenschaftliche Ansätze sie oft auch als Szene oder Subkultur – Interpretationen, die besonders angesichts der Bedeutung von Musikstilen wie Pagan Metal oder Pagan Folk an Glaubwürdigkeit gewinnen, unter Neuheid*innen aber durchaus umstritten sind.
Im Seminar werde folgende (und weitere) Fragen diskutiert:
Warum grenzen sich Menschen von den dominanten monotheistischen Religionen einerseits und einer säkularen, wissenschaftlich geprägten Weltauffassung andererseits ab? Handelt es sich hierbei um ein globales Phänomen oder eher eines des Westens bzw. des Globalen Nordens? Spielen angesichts der starken Präsenz heidnischer Bewegungen in Ost- und Ostmitteleuropa, aber auch der wachsenden Bedeutung der afrokubanischen Religionen seit den 1990ern die Transformationen der postsozialistischen Länder hierbei eine Rolle? Ist die Santería somit als Neuheidentum zu verstehen? Ist es der Schamanismus? Ist die Suche nach heidnischen Religionen rückwärtsgewandt? Wenn ja, warum orientieren sich Menschen an historischen Formen religiösen Ausdrucks? Haben wir es mit Formen der Selbst-Exotisierung zu tun? Welche Rolle spielen hierbei die Ethnologie, Geschichtswissenschaften und Archäologie als Informationsquelle und als Ressource zur Identitätskonstruktion? Wie diskutieren unterschiedliche Wissenschaften dieses Phänomen?
Wir werden uns mit der angedeuteten regionalen Bandbreite befassen, aber auch mit derjenigen zwischen machistischem Heroentum und eher feministisch informierten Wicca-Anhänger*innen, zwischen der völkisch orientierten Neuen (und auch alten) Rechten bis zu ökologisch orientierten Linken, und zwischen elitär-esoterischen zu anarchistisch-demokratischen Tendenzen.

Empfohlene Literatur

Davidsen, Markus Altena, 2012: What is Wrong with Pagan Studies? In: Method & Theory in the Study of Religion, Vol. 24, No. 2, pp. 183-199

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt

Semester: SoSe 2021