| Seit 04/2025 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ifeas, Uni Mainz |
| 09/2024 – 04/2025 Vertretung der Professur für Ethnologie mit dem Schwerpunkt Afrikanische Diaspora und Transnationalismus am Ifeas, JGU Mainz |
| 11/2021 – 08/2024 Leitung des ethnologischen Teilvorhabens des BMBF-Verbundprojekts MISRIK |
| 04/2019 – 09/2019 Vertretung der Professur für Ethnologie am Institut für Ethnologie der Goethe-Universität Frankfurt |
| 06/2016 – 10/2021 Akademische Rätin auf Zeit, Ifeas, JGU Mainz |
| 2013 – 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ifeas, Universität Mainz |
| 2009 – 2014 Promotionsstudium der Ethnologie; gefördert mit einem Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes |
| 2003 – 2008 Magisterstudium der Ethnologie und Theaterwissenschaft; gefördert mit einem Studienstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes |
Alle Publikationen im Überblick
| Praxis, Affekt, Mitgliedschaft rechtsextremistischer Internetkommunikation (2021 – 2024, BMBF) Unter Begriffen wie der Onlineradikalisierung, hate culture oder „Radikalisierungsmaschine Internet“ (Ebner 2019) beschäftigt sich eine ganze Reihe von wissenschaftlichen, politischen und zivilgesellschaftlichen Analysen mit der Frage in welchem Zusammenhang das Erstarken rechtsextremer politischer Bewegungen und Parteien und die sozialen Medien als Resonanzraum von Hass, alternativer Wahrheiten und Verschwörungstheorien zueinanderstehen. Soziale Medien gelten als „digitale Brandbeschleuniger“ oder „Motor des Rechtsextremismus“ (Fielitz und Marcks 2020). Memes werden als „Red Pills“ beschrieben, die Nutzer schleichend radikalisieren und in rechtsextreme digitale Gemeinschaften initiieren. Netzaktivist*innen selbst sprechen von einer „führerlosen digitalen Gegenrevolution”, die einen Online-Kulturkampf gegen die politische Korrektheit und feministische Identitätspolitik führt und dabei verschiedene digitale Gemeinschaften mit Strategen der neuen Rechten verbindet (Nagle 2018: 19ff.). Was Metaphern wie die der „Radikalisierungsmaschine“ vergessen machen, ist dass es sich dabei nicht um technische oder automatisierte Prozesse handelt, sondern, dass Menschen hinter den Bildschirmen sitzen, die als komplexe Akteur*innen betrachtet werden sollten, bisher aber nur selten ethnografisch untersucht wurden. Das BMBF-Verbundprojekt „Meme, Ideen, Strategien rechtsextremistischer Internetkommunikation“ (MISRIK) erforscht rechtsextreme Sprach- und Kommunikationspraxen auf sozialen Medien. Ziel des ethnologischen Teilvorhabens „Praxis, Affekt, Mitgliedschaft rechtsextremistischer Internetkommunikation“ (PAMRIK) ist es, Konzepte zum Verständnis der graduellen Mitgliedschaft (1), der affektiv-emotionale Dimensionen (2) und der Etablierung alternativer Wahrheitsbehauptungen (3) von Netzaktivist*innen der Neuen Generation der Rechten in sozialen Medien zu entwickeln. Forschungsfragen des Teilprojekts sind: Wie ordnen sich Akteur*innen kollektiven Gemeinschaften in digitalen Räumen zu und wie wird intern Zugehörigkeit anerkannt? Wie erleben Akteur*innen die Kreation und Vermittlung von Memes und welche Emotionen wollen Sie wecken? Wie werden rechtsextreme Memes kreiert und dann geteilt und wie verbreiten Akteur*innen sie aus ihren kleinen Netzwerken in größere Gruppen in den sozialen Medien? Wie lässt sich das Mainstreaming rechter Diskurse ethnografisch nachvollziehen? Welche Rolle spielen die Affordanzen der genutzten Plattformen? Wie werden neue Wahrheitsbehauptungen etabliert und gesellschaftlich anschlussfähig gemacht? Erste Ergebnisse des Projekts sind publiziert in dem Sammelband „Digitale Bilderkämpfe“ (N’Guessan 2025); im De:hate Report #5 (Knopp et al 2023), in Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit (Denker et al 2024), in den Arbeitspapieren des IfEAS (N’Guessan 2024) und in Entwicklung und Zusammenarbeit (Göpfert und N’Guessan 2025). |
| Doing being parent: Elternschaft in Côte d’Ivoire als performative Praxis (2018 – 2021) Das Projekt beschäftigt sich mit Elternschaft in Côte d’Ivoire als kultureller Praktik und Identitätsarbeit. Elternschaft, so die Arbeitshypothese des Projekts, ist weder universell noch kulturell determiniert, sondern ein kontingentes Bündel von Praktiken, die sich ethnographisch erforschen lassen. Das Projekt fragt zum einen, wie parenting (Praktiken und Normen der Elternschaft umfassend) lokal konzipiert und ausgehandelt wird und wie sich Akteure in einem Umfeld mit teils widersprüchlichen Normen und Praktiken guter Elternschaft bewegen und Elternschaft als Identitätsarbeit betreiben. Zum anderen untersucht es, welche Rolle dabei translokale und globale Diskurse sowohl in populären Medien wie in staatlichen und zivilgesellschaftlichen Politiken (etwa im Hinblick auf spezifische Kinderrechte) spielen. Das Forschungsprojekt zu Elternschaft als performativer Praxis greift praxisorientierte Ansätze der Sozialethnologie auf und verknüpft sie mit Ansätzen der Aufführungsanalyse, der Anthropologie des Staats und des Normenpluralismus. Methodisch begreift das Projekt Feldforschung als Ko-Performance, die Erkenntnisse auch und gerade aus der kritischen und selbst-reflexiven Auseinandersetzung mit dem eigenen „doing being mother“ zieht. Die Ergebnisse des Projekts sind veröffentlicht in Ethos (N’Guessan 2025), Africa Today (2024) und in diversen Sammelbänden (N’Guessan 2022; N’Guessan 2021). |
| Die Aufführung der Nation (2013-2016, DFG FOR1939) Im komparativ angelegten Teilprojekt „Die Aufführung der Nation und der Umgang mit subnationalen Differenzen in afrikanischen Nationalfeiern“ (Leitung Carola Lentz) der DFG Forschungsgruppe 1939 „Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung“ erforschten wir die Inszenierung und Aufführung von Nation und subnationalen Differenzen in Nationalfeiern in Ghana, Burkina Faso und Côte d‘Ivoire. Die Grundannahme ist, dass Nationen grundsätzlich als Gemeinschaften vorgestellt werden, die allen anderen sozialen Zugehörigkeiten (etwa regionalen, ethnischen und religiösen Mitgliedschaften) und Differenzen wie Alter und Geschlecht übergeordnet sind. Allerdings ist Nationalität im Alltag in der Regel eine „vergessene“ Zugehörigkeit. Nationalfeiertage machen sie durch ihren repetitiven, zirkulären Charakter sicht- und erfahrbar. Dies geschieht durch die Darstellung ihres Verhältnisses zu anderen sozialen Zugehörigkeiten und Differenzen. Die Ergebnisse des Projekts sind in eine Reihe gemeinschaftlich verfasster Publikationen eingeflossen: Ethnography(Gabriel, Lentz und N’Guessan 2020); Nations and Nationalism (N’Guessan, Gabriel und Lentz 2017); Sociologus (Gabriel, Lentz und N’Guessan 2016). |
| Geschichten der Unabhängigkeit: Eine Ethnographie der Vergangenheit (2009-2013, Studienstiftung des deutschen Volks) In meinem Dissertationsprojekt habe ich mich intensiv mit den inter- und transdiziplinären Verbindungen zwischen Ethnologie und Geschichtswissenschaft beschäftigt und die methodischen und inhaltlichen Schnittstellen ausgelotet, die mein Interesse an Erinnerungsarbeit, Geschichtsschreibung und nation building eröffnet haben. Im Zentrum des Dissertationssprojekts stand das Anliegen zu verstehen, wie genau Erinnerungsarbeit als identitätsstiftend zu verstehen sein kann. Dass jegliches Erinnern sozial ist, scheint ein Allgemeinplatz der memory studies zu sein, aber die Akteure bleiben oft unbefriedigend blass. Ein ethnologischer Blick auf Praktiken der Erinnerungsarbeit und des Geschichte-Machens bietet daher eine sinnvolle Ergänzung. Kurz nachdem ich meine Feldforschung zu (konkurrierenden) Erzählungen der Unabhängigkeit in Abidjan beendet hatte, wurden die Auseinandersetzungen um das Präsidentenamt auch im Sinne eines Narrativs der Re-Kolonialisierung oder der zukünftigen Unabhängigkeit geführt. Amtsinhaber Laurent Gbagbo und seine Anhänger interpretierten die Wahl des Konkurrenten Alassane Ouattaras als Versuch Frankreichs 50 Jahre nach der offiziellen Unabhängigkeit wieder einen „König von Frankreichs Gnaden“ an der Spitze der einstigen Musterkolonie zu installieren. „Wie unabhängig sind wir wirklich?“, war die vielleicht meistformulierte Antwort, die Akteure im Feld auf mein Forschungsinteresse formulierten. Die Frage nach den Genealogien der Unabhängigkeit (in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft) stand fortan im Zentrum meines Interesses. Ich habe diese Erzählungen und Genealogien durch die Zeit (seit Ende der 1950er bis in die Gegenwart) und in verschiedenen Praktiken und Medien (Nationalfeiertage, Geschichtsschreibung, populäre Formate des sozialen Erinnerns) verfolgt und dabei immer gefragt wie diese unterschiedlichen Formate zueinander in Beziehung stehen, einander beeinflussen und wie unterschiedliche Erinnerungs-entrepreneurs zeitgleich sowohl die Narrative pluralisieren und fragmentarisieren, wie auch danach streben eine einzige Erzählung (Geschichte wie es wirklich gewesen ist!) zu produzieren. Die Forschung ist publiziert in einer Reihe von Aufsätzen in Nations and Nationalism (N’Guessan, 2013), Nova Religio(N’Guessan 2015); Africa (N’Guessan 2015), Afrique Contemporaine (N’Guessan 2021); Routledge Companion to Postcolonial African Historiography (N’Guessan 2025), sowie in der Monographie: Histories of Ivorian Independence: an Ethnography of the Past (Brill, 2020). |
Dr. Konstanze N’Guessan
Raum 01-676
Forum universitatis 6
55099 Mainz
Tel.: 06131-39 26645
E-Mail: nguessan@uni-mainz.de
Sprechstunde: nach Vereinbarung per E-Mail