Die Jahn-Bibliothek umfasst eine einzigartige Sammlung literarischer Werke in über neunzig Sprachen, darunter die ehemaligen Kolonialsprachen bzw. mehrere Weltsprachen und zahlreiche afrikanische Sprachen. Einige der gesammelten Bücher sind auch als Objekte interessant, z.B. als Erstausgaben bedeutender Werke oder als Buchexemplare mit handschriftlichen Widmungen von Autor:innen, aber auch im Hinblick auf das, was ihre Gestaltung über den jeweiligen Publikationskontext verrät. Die Jahn-Bibliothek ist ein Spezialbestand der Universitätsbibliothek Mainz und zählt zu den wissenschaftlichen Sammlungen der JGU Mainz. Darüber hinaus ist sie eng mit dem ifeas verbunden.

Die Jahn-Bibliothek entstand als private Sammlung von Janheinz Jahn (1918-1973), dessen Interesse an afrikanischer Literatur 1951 bei einem Vortrag des senegalesischen Dichters und Staatsmannes Léopold Sédar Senghor in Frankfurt geweckt wurde. Durch seine Arbeit als Übersetzer, Herausgeber, Bibliograf, Autor und freier Journalist trug Jahn wesentlich zur öffentlichen Wahrnehmung afrikanischer Literatur in Deutschland, aber auch weltweit bei. Die Jahn-Bibliothek wird von Studierenden und Forschenden an der JGU Mainz sowie internationalen Gastwissenschaftler:innen genutzt, steht ebenso aber auch einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung.

Neben den am ifeas regelmäßig angebotenen Seminaren zu afrikanischer Literatur veranstaltet das ifeas im Zusammenhang mit der Jahn-Bibliothek in unregelmäßigen Abständen internationale Janheinz Jahn-Symposien, Lesungen mit Schriftsteller:innen aus Afrika und weitere Events (wie Ausstellungen, Workshops, Vorträge, Bibliotheksführungen).

2025 wird die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen 50 Jahre alt. Das möchten wir mit einem Jahn-Symposium am 24. und 25. November feiern, ohne die Jahn-Bibliothek selbst dabei exklusiv ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen.

Die Jahn-Bibliothek ist eine große Bereicherung für das ifeas, die JGU Mainz, die Stadt Mainz und sogar für Deutschland. Mindestens ebenso wichtig und schön ist es allerdings, dass es seit einigen Jahren auch in afrikanischen Großstädten und auch in anderen Städten Deutschlands Initiativen von afri­ka­ni­schen bzw. Schwarzen Akteur:innen gibt, die zur Gründung weiterer Bibliotheken mit Schwerpunkt auf afrika­ni­scher Literatur geführt haben. Diese Bibliotheken stehen nun im Mittelpunkt des 12. internationalen Jahn-Symposiums und sollen gemeinsam mit der Jahn-Bibliothek gefeiert werden.

Bibliotheken sind meist nicht „nur“ Orte, an denen Bücher untergebracht sind bzw. öffentlich zugänglich gemacht werden, sondern auch Orte der Begegnung und Identitätsbildung. Sie sind Schauplatz von Veranstaltungen, bei denen Literatur im weitesten Sinn öffentlich performt und daran partizipiert wird, aber auch Lernorte, wo Fortbildungen und Workshops oder auch ein Platz zum Lesen oder Studieren angeboten werden, und manchmal entsteht in Bibliotheken sogar neue Literatur, wenn sie zu Schreibresidenzen einladen oder individuell zum Schreiben genutzt werden.

Im Rahmen des Symposiums stellen die Gäste einander ihre jeweiligen Bibliotheken vor. Es geht um die Motivation hinter der Gründung und die bisherige Geschichte der Bibliotheken, um die Kontexte bzw. Schwerpunkte der verschiedenen Sammlungen afrikanischer Literatur und um die vielfältigen Aktivitäten der einzelnen Bibliotheken, sowohl in den sozialen Medien als auch mit Veranstaltungsprogrammen und weiteren Angeboten vor Ort. Es geht um die beeindruckenden Erfolge, die die Bibliotheken bisher feiern konnten (allein die Existenz jeder einzelnen Bibliothek ist eine Erfolgsgeschichte!), aber auch um die Herausforderungen, vor denen sie stehen, bzw. die Probleme, mit denen sie sich konfrontiert sehen.

Bei den eingeladenen Vertreter:innen dieser Bibliotheken handelt es sich um Menschen, die auf die ein oder andere Weise in die Gründung von Bibliotheken mit afrikanischer Literatur involviert waren bzw. diese aktuell managen. Wie Janheinz Jahn haben diese Menschen – wie auch ihre Vorgänger:innen und Mitstreiter:innen – als Privatpersonen mit unterschiedlicher Motivation und in verschiedenen Kontexten ange­fan­gen, (u.a.) afrikanische Literatur zu sammeln und diese Sammlungen schließlich in Form einer Bibliothek einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, mit großem persönlichen und auch eigenem finanziellen Engagement und, in den meisten Fällen, neben­beruflich und nicht als Angestellte von National- oder Universitätsbibliotheken.

Vertretene Bibliotheken (in alphabetischer Reihenfolge): 1949books (Abidjan) mit Edwige Dro, die African Poetry Library Kampala mit Gloria Kiconco, die African Poetry Library Nairobi mit Billy Kahora, die Afrothèque (Dakar) mit Papa Malick Barros, die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen (Mainz) mit Anja Oed, die Library of Africa and the African Diaspora (Accra) mit Sylvia Arthur und Seth Avusuglo, die Natubelenge Children’s Library (Lusaka) mit Mainess Chilumbwa und Nachizo Manza, die Schwarze Kinderbibliothek (Bremen) mit Sheeko Ismail sowie die Theodor Wonja Michael Bibliothek (Köln) mit Glenda Obermuller.

Den Abschluss des Symposiums bildet eine öffentliche Lesung mit Edwige Dro, Gloria Kiconco und Billy Kahora, die alle auch als Bibliotheks-Akteur:innen am Symposium teilnehmen und 1949books in Abidjan bzw. die African Poetry Libraries in Kampala (Uganda) und Nairobi (Kenia) vertreten. Die Lesung findet im Rahmen des ifeas-Institutskolloquiums im WiSe 2025/26 statt. Im Anschluss lädt die Jahn-Bibliothek zu einem feierlichen Umtrunk ein.

Janheinz Jahn sammelte nicht nur afrikanische Literatur, sondern auch Werke Schwarzer Autor:innen aus Europa, Nordamerika, der Karibik und Südamerika. Heute liegt der Schwerpunkt der Sammlung auf Literatur von Schriftsteller:innen aus Afrika (insbesondere südlich der Sahara) bzw. mit afrikanischem Migrationshintergrund. Dazu gehören also weiterhin auch Werke von Autor:innen der sogenannten neuen afrikanischen Diaspora bzw. von als ‚afropolitisch‘ bezeichneten Autor:innen in Europa, Nordamerika und anderen Teilen der Welt. Darüber hinaus wird relevante wissenschaftliche Literatur gesammelt.

Grundsätzlich werden literarische Werke in allen von Schriftsteller:innen aus Afrika verwendeten Sprachen gesammelt: den ehemaligen Kolonialsprachen ebenso wie zahlreichen afrikanischen Sprachen. Aus heutiger Sicht erscheint das selbstverständlich; in den 1950er und 1960er Jahren war die wissenschaftliche Konzeption afrikanischer Literatur – unabhängig von der Sprache, in der diese verfasst war, und somit auch in Abgrenzung von den europäischen Nationalliteraturen – als eigener Kategorie ein Novum.

Der Bestand der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen ist über die Kataloge der UB Mainz recherchierbar. Die Systematik ist auch historisch interessant, weil sie Jahns Konzeption von afrikanischer bzw. ’neoafrikanischer‘ Literatur spiegelt.

Systematik

JA Bibliografien

JB Nachschlagewerke

JC Anthologien

JC1 Kontinentübergreifend

JC2 Afrika

JC3 Amerika

JE Sekundärliteratur mit überregionalem Bezug

JE1 Kontinentübergreifend

JE2 Afrika

JE3 Amerika

JF Westafrika

JF1 Allgemeine Sekundärliteratur

JF2 Anthologien

JF3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JF4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

Literatur in westafrikanischen Sprachen hat die Signatur JF gefolgt von einem Kürzel der jeweiligen Sprache (JF BAM – JF YOR, s. Übersicht unter Literaturen in afrikanischen Sprachen), z.B. JF YOR für auf Yorùbá verfasste Literatur, dazugehörige Sekundärliteratur und Übersetzungen literarischer Texte aus dem Yorùbá bzw. in das Yorùbá:

JF YOR1 Allgemeine Sekundärliteratur
JF YOR2 Anthologien
JF YOR3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen
JF YOR4 Primärliteratur einzelner Autor:innen
JF YOR5 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen aus dem Yorùbá
JF YOR6 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen in das Yorùbá

JG Zentralafrika

JG1 Allgemeine Sekundärliteratur

JG2 Anthologien

JG3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JG4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

Literatur in zentralafrikanischen Sprachen hat die Signatur JG gefolgt von einem Kürzel der jeweiligen Sprache (JG GBA – JG LUB, s. Übersicht), z.B. JG KON für auf Kongo bzw. Kikongo verfasste Literatur, dazugehörige Sekundärliteratur und Übersetzungen literarischer Texte aus dem Kongo/Kikongo bzw. in das Kongo/Kikongo:

JG KON1 Allgemeine Sekundärliteratur
JG KON2 Anthologien
JG KON3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen
JG KON4 Primärliteratur einzelner Autor:innen
JG KON5 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen aus dem Kongo/Kikongo
JG KON6 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen in das Kongo/Kikongo

JH Ostafrika

JH1 Allgemeine Sekundärliteratur

JH2 Anthologien

JH3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JH4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

Literatur in ostafrikanischen Sprachen hat die Signatur JH gefolgt von einem Kürzel der jeweiligen Sprache (JH ACH – JH VID, s. Übersicht), z.B. JH SWA für auf Swahili bzw. Kiswahili verfasste Literatur, dazugehörige Sekundärliteratur und Übersetzungen literarischer Texte aus dem Swahili/Kiswahili bzw. in das Swahili/Kiswahili:

JH SWA1 Allgemeine Sekundärliteratur
JH SWA2 Anthologien
JH SWA3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen
JH SWA4 Primärliteratur einzelner Autor:innen
JH SWA5 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen aus dem Swahili/Kiswahili
JH SWA6 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen in das Swahili/Kiswahili

JK Südafrika

JK1 Allgemeine Sekundärliteratur

JK2 Anthologien

JK3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JK4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

Literatur in südafrikanischen Sprachen hat die Signatur JK gefolgt von einem Kürzel der jeweiligen Sprache (JK AFR – JK ZUL, s. Übersicht), z.B. JK ZUL für auf Zulu verfasste Literatur, dazugehörige Sekundärliteratur und Übersetzungen literarischer Texte aus dem Zulu bzw. in das Zulu:

JK ZUL1 Allgemeine Sekundärliteratur
JK ZUL2 Anthologien
JK ZUL3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen
JK ZUL4 Primärliteratur einzelner Autor:innen
JK ZUL5 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen aus dem Zulu
JK ZUL6 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen in das Zulu

JL Nordamerika

JL1 Allgemeine Sekundärliteratur

JL2 Anthologien

JL3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JL4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

JM Karibik

JM1 Allgemeine Sekundärliteratur

JM2 Anthologien

JM3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JM4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

JN Südamerika

JN1 Allgemeine Sekundärliteratur

JN2 Anthologien

JN3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JN4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

JO Pazifik

JO1 Allgemeine Sekundärliteratur

JO2 Anthologien

JO3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JO4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

JP Nordafrika

JP1 Allgemeine Sekundärliteratur

JP2 Anthologien

JP3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JP4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

JR Europa

JR1 Allgemeine Sekundärliteratur

JR2 Anthologien

JR3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen

JR4 Primärliteratur einzelner Autor:innen

JZ Zeitschriften

Ein neuerer Sammelschwerpunkt der Jahn-Bibliothek sind Comics und Graphic Novels von Autor:innen bzw. Künstler:innen aus Afrika. Zu diesem Thema bietet das ifeas regelmäßig Seminare für Studierende an.

Von A wie Acholi bis Z wie Zulu

Der Bestand an Literatur in afrikanischen Sprachen ist zunächst regional untergliedert in JF (Westafrika), JG (Zentralafrika), JH (Ostafrika) und JK (Südafrika). Jede Sprache hat außerdem ein Kürzel, das in der Regel den Anfangsbuchstaben einer ihrer Bezeichnungen entspricht.

Der Bestand in einzelnen afrikanischen Sprachen ist weiter untergliedert in allgemeine Sekundärliteratur (1), Anthologien (2), Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen (3) und Primärliteratur einzelner Autor:innen (4). Zusätzlich gibt es Übersetzungen aus der jeweiligen afrikanischen Sprache (5) sowie Übersetzungen in die jeweilige afrikanische Sprache (6), z.B.:
JF YOR1 Allgemeine Sekundärliteratur
JF YOR2 Anthologien
JF YOR3 Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen
JF YOR4 Primärliteratur einzelner Autor:innen
JF YOR5 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen aus dem Yorùbá
JF YOR6 Übersetzungen von Primärliteratur einzelner Autor:innen in das Yorùbá

Die Primärliteratur in afrikanischen Sprachen ist alphabetisch nach den Anfangsbuchstaben der Autor:innen, ebenso wie die Sekundärliteratur zu einzelnen Autor:innen und Übersetzungen von Werken einzelner Autor:innen. Titel der Kategorien 1 und 2 sind fortlaufend nummeriert, Titel der Kategorien 3, 4, 5 und 6 sind innerhalb der einzelnen Autor:innen-Signaturen fortlaufend nummeriert.

Alphabetische Liste der afrikanischen Literatur-Sprachen und ihrer Signaturen in der Jahn-Bibliothek

AcholiJH ACH
AdangmeJF DAN
AfrikaansJK AFR
AkanJF TWI
Akuapem-TwiJF TWI
AmharischJH AMH
Asante-TwiJF TWI
Asu (Tansania)JH ASU
BamanankanJF BAM
BambaraJF BAM
Bemba (Sambia)JK BEM
BiniJF EDO
BuluJF BUL
CaboverdianoJF KEA
CalabarJF EFI
ChewaJK NYA
ChibembaJK BEM
ChichewaJK NYA
ChilundaJK LUN
ChiluvaleJK LUV
ChinamwangaJK MWA
ChinyanjaJK NYA
ChishonaJK SHO
ChitongaJK TON
ChitshwaJK TSH
ChitumbukaJK TUM
ChivendaJK VEN
Creole (Guinea-Bissau Creole)JF POV
Creole (Krio, Sierra Leone)JF KRI
Criol / CriouloJF KEA
DangmeJF DAN
DawidaJH TAI
EdoJF EDO
EfikJF EFI
EweJF EWE
FanteJF FAN
FonJF FON
FulaJF FUL
FulfuldeJF FUL
JF GA
GandaJH GAN
GenJF GEN
Gbaya (Varietät: Gbaya-Kara)JG GBA
GĩkũyũJH GIK
Guinea-Bissau CreoleJF POV
GuingbéJF GEN
GusiiJH GUS
HausaJF HAU
HereroJK HER
IbibioJF EFI
IchibembaJK BEM
IchinamwangaJK MWA
IdomaJF IDO
IgboJF IGB
IsiswaziJK SWA
IsixhosaJK XHO
IsizuluJK ZUL
KabuverdianoJF KEA
KalenjinJH KAL
KambaJH KAM
KanuriJF KAN
KaondeJK KAO
KereweJH KER
KidawidaJH TAI
KikambaJH KAM
KikereweJH KER
KikongoJG KON
KimbunduJK MBUN
KinyarwandaJH RWA
KipareJH ASU
KirundiJH RUN
KiswahiliJH SWA
KitaitaJH TAI
KitshwaJK TSH
KitubaJG KIT
KongoJG KON
KreolJH MFE
Kreol SeselwaJH SES
Krio (Sierra Leone)JF KRI
Kriol (Kap Verde)JF KEA
KroboJF DAN
KwanyamaJK KWA
LenjeJK LEN
LingalaJG LIN
LoziJK LOZ
LuandaJK MBUN
Luba-KasaiJG LUB
LugandaJH GAN
LuluyiaJH LUY
Lunda (Sambia)JK LUN
Luo (Kenia)JH LUO
Luo (Uganda)JH ACH
LuvaleJK LUV
LuyiaJH LUY
Lwo (Uganda)JH ACH
MaasaiJH MAA
MadagassischJH MAL
MarkaJF SON
MasaiJH MAA
MaurisyenJH MFE
Mauritius Creole FrenchJH MFE
MbukushuJK MBU
MbunduJK MBUN
MorisyenJH MFE
MwangaJK MWA
NamaJK NAM
NdebeleJK NDE
NdongaJK NDO
Nord-SothoJK SEP
NyanjaJK NYA
NyamwangaJK MWA
Nyoro-TooroJH NYO
NzemaJF NZE
OchindongaJK NDO
OromoJH ORO
OtjiwamboJK NDO
OvamboJK NDO
OwamboJK NDO
PareJH ASU
Patois (Krio, Sierra Leone)JF KRI
PeulJF FUL
Portuguese CreoleJF POV
Réunion Creole FrenchJH RCF
RundiJH RUN
Runyoro-RutooroJH NYO
RwandaJH RWA
SepediJK SEP
Seselwa Creole FrenchJH SES
SesothoJK SES
SetswanaJK TSW
ShitsongaJK TSO
ShonaJK SHO
SiloziJK LOZ
SiswatiJK SWA
SomaliJH SOM
SonghaiJF SON
SoninkeJF SNK
Südl. SothoJK SES
SwahiliJH SWA
SwatiJK SWA
TaitaJH TAI
TemJF TEM
TigrinyaJH TIG
ThimbukushuJK MBU
TivJF TIV
Tonga (Sambia)JK TON
TshilubaJG LUB
TshwaJK TSH
TsongaJK TSO
TswaJK TSH
TswanaJK TSW
TumbukaJK TUM
TwiJF TWI
UmbunduJK MBUN
UrundiJH RUN
VendaJK VEN
VidundaJH VID
WolofJF WOL
XhosaJK XHO
YorùbáJF YOR
ZambeziJK TON
ZuluJK ZUL

Janheinz Jahn als Übersetzer

Angesichts von Jahns sprachübergreifendem Verständnis afrikanischer Literatur und der tatsächlichen Vielfalt der Sprachen, die Schrifsteller:innen aus Afrika beim Verfassen ihrer Werke verwenden, kommt Übersetzungen eine hohe Bedeutung zu. Übersetzungen gehören daher grundsätzlich ebenfalls zum Sammelgebiet der Jahn-Bibliothek.

Auch Janheinz Jahn selbst fungierte nicht nur als Vermittler von Literatur aus Afrika – und damit als Übersetzer in einem weiteren Sinn – , sondern auch ganz buchstäblich als Übersetzer literarischer Werke. Ein frühes Ergebnis dieser Arbeit ist der Lyrik-Band Schwarzer Orpheus, der von Jahn ins Deutsche übertragene Gedichte schwarzer Schriftsteller:innen aus dem Globalen Süden und Norden umfasst und dessen Erscheinen im Jahr 1954 den Beginn einer breiteren Wahrnehmung afrikanischer Literatur in Deutschland markierte. 1970 wurde Jahn mit dem Übersetzerpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

Übersetzungen ins Deutsche bzw. in Weltsprachen

Bei Jahns eigenen Übersetzungen afrikanischer bzw. ’neoafrikanischer‘ Literatur ging es vor allem darum, die jeweiligen Werke und ihre Autor:innen international auch in Deutschland bekannt und zugänglich zu machen.

Bis heute wird versucht, deutsche Übersetzungen der Werke von Schriftsteller:innen aus Afrika möglichst vollständig zu sammeln. Außerdem werden, soweit vorhanden, englische Übersetzungen frankophoner und lusophoner Titel gesammelt; zu einem sehr viel geringeren Teil auch französische Übersetzungen anglophoner Titel, usw. Einzelne in der Jahn-Bibliothek vorhandene Übersetzungen in weitere europäische oder auch asiatische Sprachen sind meist Schenkungen.

Weltliteratur – übersetzt in afrikanische Sprachen und aus afrikanischen Sprachen

Darüber hinaus werden auch Übersetzungen von in afrikanischen Sprachen verfassten Werken ins Deutsche, Englische, Französische bzw. in andere afrikanische Sprachen gesammelt, die in den letzten Jahren vermehrt erschienen sind, aber auch Übersetzungen von Weltliteratur in afrikanische Sprachen. Einige der Titel in afrikanischen Sprachen sind als zweisprachige Ausgaben erschienen.

‚Eine eigene, nicht in Europa begründete Tradition‘: Jahns Geschichte der neoafrikanischen Literatur

Gemäß seiner heute als veraltet geltenden Vorstellung von ’neoafrikanischer‘ Literatur sammelte Janheinz Jahn von Anfang an nicht nur afrikanische Literatur, sondern auch Werke Schwarzer Schriftsteller:innen aus anderen Teilen der Welt. Letztere sind bis heute Teil der Jahn-Bibliothek, allerdings wird dieser Teil der Sammlung heute nicht mehr gezielt erweitert.

Die seinem ursprünglichen Sammlungsprinzip zugrunde liegenden Überlegungen stellte Jahn u.a. in seiner Geschichte der neoafrikanischen Lite­ratur (1966) dar. Er problematisierte zunächst die Einteilung der Literaturen nach Sprachen – ein „handliches Ordnungsprinzip“, das, wie er schrieb, „bis zur Wende vom neunzehnten zum zwan­zigsten Jahrhundert“ auch seine Berechtigung hatte: Literatur war demnach „National­literatur, die Nation im literarischen Sinn war mit dem Sprachgebiet identisch“ (1966: 8). Im zwan­zigsten Jahrhundert emanzipierte sich dann zunächst die nord­amerikanische Literatur: Die Autoren unterwarfen sich nicht länger „dem eu­ropäi­schen Urteil“, sondern entdeckten,

daß ihre Literatur eine eigene Tradition, eine ‚brauchbare‘ Vergangenheit hatte … Erst durch diese brauchbare Vergangenheit, durch eine eigene, nicht in Eu­ropa begründete Tradition – mag sie sich von spezifischen historischen Erleb­nissen oder außereuro­päischen geistigen Überlieferungen ableiten – wird eine sich abspaltende überseeische Literatur selbständig. Und zwar auch dann, wenn sie sich weiterhin einer europäischen Sprache bedient. (Jahn 1966: 10)

‚Modern‘, aber auch ‚afrikanisch‘: Jahns Suche nach dem gemeinsamen Nenner ’neoafrikanischer‘ Literatur

Jahn argumentierte, dass auch Werke von Schriftsteller:innen aus Afrika und der afrikanischen Diaspora sich nicht zwangsläufig nach der Sprache einteilen ließen, in der sie geschaffen wurden. Man könne, postulierte er, Literatur

nur nach dem Stil einteilen, genauer: nach den Resultaten einer phänomenologischen Stilanalyse, die dem ein­zelnen Werk seine Individualität belässt und es dann auf Grund seiner ideellen, literarischen und formalen Denk- und Ausdrucksschemata in die Kontinuität ähn­licher Strukturen eingruppiert.

Nur so könne man „die literarischen Werke in literaturwissenschaftlich relevante Gruppen ordnen“ (1966: 16).

Eine dieser literaturwissenschaftlich relevanten Gruppen war nach Jahns Überzeugung – über alle Sprachgrenzen und auch über nationale bzw. regionale Grenzen hinweg, aber unter Berücksichtigung der besagten Stil- und Denk­strukturen – die sogenannte ’neoafrikanische Literatur‘, die einerseits ‚modern‘ bzw. europäisch beeinflusst sei, andererseits aber auch ‚afrikanische Wurzeln‘ bezeuge:

Die neoafrikanische Literatur ist … Erbe zweier Traditionen: der traditionell-afrika­ni­schen Literatur und der okzidentalen Literatur. Ein Werk, das keinerlei europäische Ein­flüsse aufweist, … gehört nicht zur neoafrikanischen, sondern zur traditionell-afrikanischen Literatur. … Ein Werk, in dem sich andererseits keinerlei afrikanische Topoi finden lassen, gehört nicht zur neoafrikanischen, sondern zur westlichen Literatur. (1966: 16)

Jahn (1966: 16) selbst räumte allerdings schon damals ein, dass die Unterscheidung theoretisch zwar „einfach, praktisch jedoch schwierig“ sei, „denn sie setze voraus, daß man die der Tradition Agisymbas [d.h. im Wesentlichen, Afrikas südlich der Sahara] entstammenden Stil- und Denkstrukturen kennt. Das ist aber nicht der Fall“.

Was bleibt? Afrikanische Literatur über alle Sprachgrenzen hinweg

Das Konzept einer neoafrikanischen Literatur mag aus heutiger Sicht überholt sein – Jahn selbst sprach bereits wenige Jahre später in der von ihm zusammen mit Claus Peter Dressler veröffentlichten Bibliography of Creative African Writing (1971) und dem gemeinsam mit Ulla Schild und Almut Nordmann herausgegebe­nen Who’s Who in African Literature (1972) nur mehr von afrikanischer Literatur. Es war aber die Voraussetzung für Jahns wegweisende Konzeption einer eigen­ständigen afrikanischen Literatur. Dass er afrikanische Literatur auf diese Weise sehen konnte, verdankte er vermutlich L.S. Senghor, der im Rahmen des Vortrags, den Jahn 1951 besuchte, nicht nur auf Französisch, sondern auch auf Wolof verfasste Gedichte vorgetragen hatte. Die in Jahns Konzept einer neoafrikanischen Literatur bzw. Kultur ausgedrückte ‚verwandtschaftliche Beziehung‘ zu Afrika hat für Schriftsteller:innen und Intellektuelle der sogenannten afrikanischen Diaspora zeitweise eine bedeutende identitätsbildende Rolle gespielt. Nicht zuletzt hat Jahn mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zur internationalen Vernetzung schwarzer Schriftsteller:innen geleistet (vgl. Jahn 1954).

Literaturhinweise

  • Jahn, Janheinz, 1954b: „Verblüffende Wirkung eines Lyrikbandes: 600 Briefe an die N[…] aller Kontinente“. Die Welt, 25. November.
  • Jahn, Janheinz, 1958: Muntu: Umrisse der neoafrikanischen Kultur. Düsseldorf: Eugen Diederichs.
  • Jahn, Janheinz, 1966: Die neoafrikanische Literatur: Gesamtbibliographie von den Anfängen bis zur Gegenwart. Düsseldorf: Eugen Diederichs.
  • Jahn, Janheinz, 1966: Geschichte der neoafrikanischen Literatur: Eine Einführung. Düsseldorf: Eugen Diederichs.
  • Jahn, Janheinz und Claus Peter Dressler, 1971: Bibliography of Creative African Writing. Nendeln, Liechtenstein: Kraus Reprint.
  • Jahn, Janheinz, Ulla Schild und Almut Nordmann, 1972: Who’s Who in African Literature. Biographies, Works, Commentaries. Tübingen: Horst Erdmann.

Viele der Bücher in der Jahn-Bibliothek sind nicht nur als Texte, sondern auch als Objekte wertvoll und interessant. In einigen Büchern finden sich handschriftliche Widmungen von Autor:innen, mit denen Jahn als Übersetzer oder Literatur-Vermittler in Verbindung stand.

Im Rahmen eines von der Ernst-Wilhelm-Müller-Stiftung geförderten Projekts (11/2021-03/2023) wurden historische Tonbänder des deutschen Afrika-Journalisten Gerd Meuer (1941-2017) digitalisiert.

Gerd Meuer war im 20. Jahrhundert einer der führenden deutschen Afrika-Jour­nalisten. Seine Berichterstattung bezog sich auf politische Ereignisse und allgemeine Ent­wicklungen in Afrika, kulturelle Großveranstaltungen, aber auch Veran­staltungen rund um afrikanische Literatur in Deutsch­land. An der Organisa­tion und Durchführung solcher Veranstaltun­gen war Gerd Meuer in Zusammenarbeit mit diversen Kulturein­rich­tun­gen auch selbst beteiligt, u.a. als Mitinitiator, Kontaktvermittler, Moderator und Übersetzer.

Neben journalistischen Beiträgen, die in Zeitschriften und Zeitungen publiziert wur­den, ent­standen im Rahmen von Meuers Arbeit für etliche nationale und internationale Sender – darunter ARD, Deutsche Welle, SRG, ORG, Radio France, BBC, Radio Nederland, meh­re­re afrikanische Rund­funk-Anstalten, Radio Pacifica, National Public Radio (USA) – auch zahlreiche Ton-Dokumente in Form von Tonbändern. Im Jahr 1999 überließ Meuer den größten Teil seiner umfangreichen Sammlung eigener Skrip­te, Zeitungen, Tonbänder, Fotos und zahlreicher weiterer Dokumente dem ifeas. Es folgten erste Maßnahmen zur Sortierung, Erfassung und Digitalisierung ausgewählter Materialien. Im Rahmen des O-Töne Projekts wurden insbesondere die Tonbänder digitalisiert.

Bei den rund 500 Tonbändern handelt es sich zum einen um Aufzeichnungen von (bzw. um Sendungen zu) politischen Ereignissen und kulturellen Veran­stal­tun­gen in ver­schie­­denen afrikanischen Ländern, die aus heutiger Sicht historisch zum Teil äußerst bedeut­sam sind, wie FESTAC ´77 in Lagos.

Zum anderen handelt es sich überwiegend um Aufzeich­nun­gen von (bzw. um Sendungen) zu Veran­staltungen in Deutschland, an denen etliche der damals inter­national bekanntesten afrika­ni­schen Schriftsteller:in­nen beteiligt waren, v.a. Le­sun­gen oder Autor:innengespräche, z.B. im Rahmen von Literatur-Festi­vals bzw. soge­nann­ten „inter­natio­nalen Literaturtagen“ (u.a. in Berlin, Erlangen, Bayreuth, Staufen), aber auch im Rah­men der Janheinz Jahn-Symposien in Mainz, der Buch­messe in Frankfurt und bei­spiels­weise von Ver­an­staltungen in den Goethe-Instituten von Lagos, Nairobi und Abidjan.

Auch Gastwissenschaftler:innen aus aller Welt können die Jahn-Bibliothek kostenfrei für ihre Forschung nutzen, gerne im Rahmen von längeren Forschungsaufenthalten bzw. Fellowships. Die Jahn-Bibliothek bzw. das ifeas selbst haben keine Mittel, um Forschungsaufenthalte von Gastwissenschaftlern in Mainz zu finanzieren. Wissenschaftler:innen und Doktoranden aus dem In- und Ausland haben jedoch die Möglichkeit, sich bei verschiedenen Förderorganisationen und Stiftungen um Stipendien für Forschungsaufenthalte zu bewerben.

Jedes Semester bietet das ifeas Seminare zu afrikanischer Literatur bzw. Comics und Graphic Novels an. Diese können im B.A. Ethnologie, B.A. Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation (ASMEK) sowie im M.A. Ethnologie, aber auch in verschiedenen Studiengängen anderer Institute belegt werden, z.B. im interdisziplinären M.A. Welt, Literatur, Medien.

Im Rahmen von Seminaren zu afrikanischer Literatur, aber auch anderer Veranstaltungen des ifeas werden Führungen und weitere Events in der Jahn-Bibliothek angeboten, z.B. das sogenannte Biblio-Speed-Dating oder Book Slams.

Studierende haben bei Interesse die Möglichkeit, bei der Organisation aktueller Veranstaltungsprojekte wie Ausstellungen, Janheinz Jahn-Symposien und Lesungen mitzuwirken. Auch die Ausstellungsvitrine der Jahn-Bibliothek im Flur des ifeas wird immer wieder von Studierenden gestaltet. Auf der Instagram-Seite des ifeas gibt es Reels, in denen Studierende ihre Vitrinen vorstellen.

Zukunftsperspektiven für junge Leute: Shujaaz

Migration im Comic: Samia. Der Traum von Olympia

Afrikanischer Futurismus in Nigeria: Roye Okupes E.X.O.

12. Janheinz Jahn-Symposium, 24.-25. November 2025

2025 wird die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen 50 Jahre alt. Das möchten wir mit einem Jahn-Symposium am 24. und 25. November feiern, ohne die Jahn-Bibliothek selbst dabei exklusiv ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen.

Die Jahn-Bibliothek ist eine große Bereicherung für das ifeas, die JGU Mainz, die Stadt Mainz und sogar für Deutschland. Mindestens ebenso wichtig und schön ist es allerdings, dass es seit einigen Jahren auch in afrikanischen Großstädten wie Abidjan, Accra, Dakar, Douala, Kampala, Lusaka und Nairobi und auch in anderen Städten Deutschlands wie Berlin, Bremen, Hamburg und Köln Initiativen von afri­ka­ni­schen bzw. Schwarzen Akteur:innen gibt, die zur Gründung weiterer Bibliotheken mit Schwerpunkt auf afrika­ni­scher Literatur geführt haben. Diese Bibliotheken stehen nun im Mittelpunkt des 12. internationalen Jahn-Symposiums und sollen gemeinsam mit der Jahn-Bibliothek gefeiert werden.

Bibliotheken sind meist nicht „nur“ Orte, an denen Bücher untergebracht sind bzw. öffentlich zugänglich gemacht werden, sondern auch Orte der Begegnung und Identitätsbildung. Sie sind Schauplatz von Veranstaltungen, bei denen Literatur im weitesten Sinn öffentlich performt und daran partizipiert wird, aber auch Lernorte, wo Fortbildungen und Workshops oder auch ein Platz zum Lesen oder Studieren angeboten werden, und manchmal entsteht in Bibliotheken sogar neue Literatur, wenn sie zu Schreibresidenzen einladen oder individuell zum Schreiben genutzt werden.

Im Rahmen des Symposiums stellen die Gäste einander ihre jeweiligen Bibliotheken vor. Es geht um die Motivation hinter der Gründung und die bisherige Geschichte der Bibliotheken, um die Kontexte bzw. Schwerpunkte der verschiedenen Sammlungen afrikanischer Literatur und um die vielfältigen Aktivitäten der einzelnen Bibliotheken, sowohl in den sozialen Medien als auch mit Veranstaltungsprogrammen und weiteren Angeboten vor Ort. Es geht um die beeindruckenden Erfolge, die die Bibliotheken bisher feiern konnten (allein die Existenz jeder einzelnen Bibliothek ist eine Erfolgsgeschichte!), aber auch um die Herausforderungen, vor denen sie stehen, bzw. die Probleme, mit denen sie sich konfrontiert sehen.

Bei den eingeladenen Vertreter:innen dieser Bibliotheken handelt es sich um Menschen, die auf die ein oder andere Weise in die Gründung von Bibliotheken mit afrikanischer Literatur involviert waren bzw. diese aktuell managen. Wie Janheinz Jahn haben diese Menschen – wie auch ihre Vorgänger:innen und Mitstreiter:innen – als Privatpersonen mit unterschiedlicher Motivation und in verschiedenen Kontexten ange­fan­gen, (u.a.) afrikanische Literatur zu sammeln und diese Sammlungen schließlich in Form einer Bibliothek einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, mit großem persönlichen und auch eigenem finanziellen Engagement und, in den meisten Fällen, neben­beruflich und nicht als Angestellte von National- oder Universitätsbibliotheken.

Vertretene Bibliotheken (in alphabetischer Reihenfolge): 1949 (Abidjan) mit Edwige Dro, die African Poetry Library Kampala mit Gloria Kiconco, die African Poetry Library Nairobi mit Billy Kahora, die Afrothèque (Dakar) mit Papa Malick Barros, die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen (Mainz) mit Anja Oed, die Library of Africa and the African Diaspora (Accra) mit Sylvia Arthur und Seth Avusuglo, die Natubelenge Children’s Library (Lusaka) mit Mainess Chilumbwa und Nachizo Manza, die Schwarze Kinderbibliothek (Bremen) mit Sheeko Ismail sowie die Theodor Wonja Michael Bibliothek (Köln) mit Glenda Obermuller.

Den Abschluss des Symposiums bildet eine öffentliche Lesung mit Edwige Dro, Gloria Kiconco und Billy Kahora, die alle auch als Bibliotheks-Akteur:innen am Symposium teilnehmen und 1949books bzw. die African Poetry Libraries in Kampala (Uganda) und Nairobi (Kenia) vertreten. Die Lesung findet im Rahmen des ifeas-Institutskolloquiums im WiSe 2025/26 statt. Im Anschluss lädt die Jahn-Bibliothek zu einem feierlichen Umtrunk ein.

11. Janheinz Jahn-Symposium, 5. Juli 2018

Das 11. JJS war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Wie das allererste JJS 1975 fand es zu Ehren von Janheinz Jahn statt, der 2018 hundert Jahre alt geworden wäre. Alle Vorträge wurden von Teilnehmer:innen eines Seminars zu afrikanischen Comics am ifeas bzw. weiteren Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Bayreuth gehalten.

Am Abend sprach der ruandische Künstler Rupert Bazambanza zum Thema „Comics über den Genozid an den Tutsi als Erinnerungsarbeit“, las aus seiner Graphic Novel Smile Through the Tears und ging auf Fragen aus dem Publikums ein.

Das Symposium stand in Verbindung mit der Ausstellung „Sichtwechsel: Comic-Helden in und aus Afrika“, die unter Beteiligung einer studentischen Projektgruppe kuratiert und vom 12. Juni bis 23. Juli 2018 in der Schule des Sehens auf dem Campus der JGU Mainz gezeigt wurde.

10. Janheinz Jahn-Symposium, 20.-21. November 2014

Das Genre des Bildungsromans hat sich seit seinen Anfängen als äußerst wandlungsfähig erwiesen und wird seit einiger Zeit auch im Zusammenhang mit postkolonialen und afrikanischen Literaturen erforscht. Das 10. JJS ging von der Überlegung aus, dass eine systematische, komparative Lesart afrikanischer Romane als Bildungsromane eine neue Perspektive sowohl auf die untersuchten Romane selbst als auch auf das Genre des Bildungs­ro­mans als solches ermöglicht und – neben einem theoretischen Rahmen für den Vergleich sehr unterschiedlicher Werke afrikanischer Literatur aus verschiedenen historischen, gesellschaftlichen, nationalen und linguistischen Kontexten – globale Anknüpfungspunkte und Vergleichsmöglichkeiten im Hinblick auf Afrika-spezifische Veränderungen und Besonderheiten des Genres bietet.

Besonders produktiv erschien die Möglichkeit, sehr viele aktuelle Trends afrikanischer Literaturen in einen theoretischen und historischen literaturwissenschaftlichen Kontext stellen zu können, ohne dabei bereits im Ansatz auf eine Negativ-Perspektive festgelegt zu sein, was z.B. bei aktuellen Diskussionen afrikanischer Literatur im Kontext von Trauma- oder Dystopie-Forschung von Kritiker:innen häufig als grundlegend problematisch empfunden wird, weil es dazu beitragen kann, ein stereotypes, negatives Afrika-Bild zu festigen bzw. zu reproduzieren. Eine Unter­suchung von Werken von Schriftsteller:innen aus Afrika als Bildungsromanen erlaubt es, die zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts allgegenwärtige literarische Thematisierung von Gewalt und Trauma im Zusammen­hang mit Gewaltherrschaft, Apartheid, Bürgerkrieg, Genozid, Flucht, aber auch HIV/Aids und extre­mer Armut und Gewalt im alltäglichen Leben, sehr produktiv literaturwissenschaftlich zu kontextualisieren. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass das Hauptinteresse des Genres per Definition der Jugend bzw. dem Reifungsprozess des Protagonisten bzw. der Protagonistin und damit letztlich der Zukunft gilt, wobei die Bildungs­ge­schichte des jugendlichen Individuums einerseits immer auch eine Auseinandersetzung mit den Wer­ten und Normen der Vergangenheit beinhaltet und andererseits über die individuelle Entwick­lung der Hauptfigur hinaus immer auch symbolische oder allegorische Implikationen für die Vision und Revision der Zukunft einer Gesell­schaft bzw. Nation hat. Franco Moretti (2000) z.B. sieht einen Zusammenhang zwischen der symbolischen Zentralität von „Jugend“ im 18. und 19. Jahrhundert als einer Zeit des radikalen gesellschaftlichen Wandels hin zur Moderne und der Entstehung des Bil­dungs­­romans als großer Erzählform, der sich, wie Apollo Amoko (2009) argumentiert, durchaus auf den afrikanischen Kontext übertragen lässt: Auch der afrikanische Bildungsroman ist im Zusammen­hang mit fundamentalen gesellschaftlichen Umbrüchen entstanden und beschäftigt sich mit dem Rei­fungs­prozess bzw. der „Bildung“ junger Protagonist:innen in instabilen, unsicheren Zeiten. Während der Bil­dungsprozess in afrikanischen Bildungsromanen des 20. Jahrhunderts oftmals mit der Aushandlung von moderner afrikanischer Identität im Kontext von Dekolonisierung bzw. im Spannungsfeld von „afri­kanischer Tradition“ und „westlicher Moderne“ beschäftigt ist, hat sich der Schwerpunkt in neu­e­­ren Bildungsromanen verschoben hin zu einer kritischen Auseinandersetzung mit postkolonialer Ge­schich­te und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen bzw. nationalen Krisen. Die jeweilige literarische Ausgestaltung und Varia­tion des Genres reflektiert und reagiert dabei auf die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Trends und Entwick­lun­gen, von Gender-Diskursen bis hin zu den dystopischen Merkmalen vieler zeitgenössischer Werke.

Eine Lesart afrikanischer Romane als Bildungsromane erlaubt außerdem einen neuen Blick auf den Bildungsauftrag, dem sich bis heute sehr viele afrikanische Autor:innen verpflichtet füh­len. Der Bildungsroman als ein Genre, das nicht nur eine individuelle Bildungsgeschichte erzählt und Bil­dung auf unterschiedliche Weise als solche thematisiert, sondern auch den Anspruch hat, der Bildung der Leser:innen dienen zu wollen, kommt dem Selbstverständnis dieser Autor:innen mit seinem symbolischen bzw. allegorischen Potential unmittelbar entgegen, geht es doch stets auch um The­men von größerer gesellschaftlicher und politischer Bedeutung, was immer das in den unter­schied­lichen historischen und gesellschaft­li­chen Kontexten jeweils konkret bedeuten kann.

Ziel des Symposiums war es, Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Ländern zu­sam­­men­zu­bringen, die sich mit verschiedenen Aspekten des postkolonialen bzw. afrikani­schen Bildungsromans beschäftigen. Unter den internationalen Teilnehmer:innen waren Kolleg:innen aus Ghana, Kenia, Nigeria, der Republik Kongo, Südafrika und den USA. Neben dem interdisziplinären Austausch und der Vernetzung von Forschung zum afrikanischen Bildungsroman aus unterschiedlichen Fachgebieten wie den Afrikawissenschaften, der Afrikanistik, der Swahilistik, der Anglistik, der Romanistik, den Medienwissenschaften, der Komparatistik und der Ethnologie ging es dabei auch um die Frage, was den afrikanischen Bildungsroman ggf. ausmacht und wo es darüber hinaus Parallelen zum postkolonialen Bildungsroman gibt. 

9. Janheinz Jahn-Symposium, 9.-12. Januar 2008

Aus der Ankündigung:

African crime fiction represents a comparatively new literary genre and an even newer topic in the critical study of African literatures. On the surface, crime fiction is concerned with the detection of crimes (petty as well as large scale), with corruption or political conspiracies. Its capacity for bloodcurdling mystery accounts for part of its popularity. Just as much, however, African crime fiction is concerned with a whole lot of other aspects, such as questions of authority and power within a postcolonial context against potential projections of a (neo-)imperial West; with working up the past of African nations and grappling with order and disorder in postcolonial societies; and with the renegotiation of gender and race relationships. Many authors have thus broadened the theme of investigation to address issues of community, beliefs and identity constructions across geographic and national boundaries. Others have broadened the genre by inventing recognisable sub-categories which relate to the social, political and historical formations of their specific African postcolonies. Dealing with such ’serious‘ issues in a complex manner has long been regarded as the prerogative of African literary works aimed at elite readerships. Today, however, crime fiction has become one of the most active and ambitious sites of literary investigation. Contemporary African authors deliberately employ the immense popularity of the genre to reach readers from all walks of life. To borrow from an essay on multicultural detective narratives, African crime fiction ingeniously represents „murder with a message“ (Adrienne Johnson Gosselin, „Multicultural fiction: murder with a message“. Multicultural Detective Fiction: Murder from the ‚Other‘ Side. Ed. Adrienne Johnson Gosselin. New York Garland, 1999, 3-14).

Apart from very sporadic and regionally limited exceptions, African crime fiction has only recently begun to be recognised as a rewarding field of scholarly enquiry. We would like to suggest that African crime fiction represents an especially promising new field in the study of African literatures. For reasons that remain to be examined, popular genres more generally and African crime fiction in particular seem to have an astonishing capacity to absorb and appropriate current thematic concerns more immediately than other genres – and to do so in a highly engaging manner. A comparative investigation of African crime fiction therefore not only helps to identify burning social and political issues but also provides clues as to how they are construed by African writers and intellectuals. Drawing on globally recognised narrative formulae, African authors adapt and, in the process, subvert the various (sub-)genres of crime fiction to engage with and negotiate local concerns central to contemporary life in different social-political, cultural, and historical contexts.

Organisation: Anja Oed (JGU Mainz) und Christine Matzke (HU Berlin). Finanzierung mit Mitteln der Volkswagen-Stiftung.

Oed, Anja und Christine Matzke (Hg.): Life is a Thriller: Investigating African Crime Fiction. Köln: Köppe, 2012.

Mit Beiträgen von Matthew J. Christensen, Geoffrey V. Davis, Susanne Gehrmann, James Gibbs, Mikhail D. Gromov, Karola Hoffmann, Said Khamis, Matthias Krings, Manfred Loimeier, Christine Matzke, Katja Meintel, Anja Oed, Ranka Primorac, Uta Reuster-Jahn, Alina Rinkanya und Doris Wieser sowie Interviews mit Angela Makholwa, Meshack Masondo, Deon Meyer und Ben R. Mtobwa.

8. Janheinz Jahn-Symposium, 17.-20. November 2004

Aus der Ankündigung:

The symposium will explore the production, mediation, and reception of creative writing in African languages. It thus proposes to move beyond merely pondering and confirming the existence and vitality of written literary expression in these languages. In the past, the issue of the language of African literatures per se has absorbed so much critical attention and energy that the study of African-language literary texts themselves as well as their socio-political and historical contexts was either neglected or marginalised. This symposium is meant to enable writers and scholars working on creative writing in a wide variety of African languages to come together and both present and discuss their research on and visions for African-language literatures. As Alain Ricard and C.F. Swanepoel (1997: 1) have argued, „the prodigious and welcome development of African linguistic studies should not obliterate the need for African philological studies – of course, not in the vein of previous [i.e., 19th]-century philology, trying to prove nebulous and absurd racial theories. We need a new philology, collecting, publishing, and, now especially, interpreting African texts with a clear understanding of the historical context of production, as well as with the mastery of the language medium“.

We do not want to advocate African languages as the only, or the only legitimate, medium for African literary expression. We certainly do not want to suggest that all African writers should use African languages to create literary works. However, as Ricard and Swanepoel (ibid.) have pointed out, literature „written in African languages too often suffers from a lack of comparative criticism – for obvious reasons of linguistic competence – but often for less obvious and stronger reasons of cultural arrogance and political resignation, posing as postcolonial theory“. We believe that it is time to recognise that creative writing in African languages forms an integral, vital, innovative and exciting part of African literatures and, accordingly, deserves as much informed critical attention as African creative writing in English, French, or Portuguese. By focusing on the production, mediation, and reception of African-language literatures, we hope to create a forum for new, comparative critical perspectives on these literatures.

In what follows, we shall begin by briefly reviewing the issue of the language of African literatures that has occupied so much space in critical discussions of literary production in Africa. Drawing on Karin Barber’s work, we shall continue by examining the reception of African literatures in the West, which has led to various misconceptions about creative writing in African languages, some of which still prevail in critical discourses on African literatures today. Finally, we shall discuss the relevance of exploring the production, mediation and reception of creative writing in African languages.

African literatures and the issue of language

One of the most central and also one of the most heated debates in critical discourses on African literatures in the second half of the twentieth century was concerned with the issue in which language African writers should express themselves. On the one hand, were they not, as some writers and critics felt, forced to write in English, French or Portuguese, as there was no literary tradition or even any writing at all in their own languages? Were they not obliged, as many argued, to use the languages of the (former) colonial powers to have any chance of being published and read at all? Was it not natural for them to express themselves in the languages in which they had been taught at school and studied abroad? Was it not preferable or even desirable to write in English or French to reach a wider national and international readership and thus be able to contribute to the great tradition of world literature, to be rewarded by international recognition and acclaim? But was it, on the other hand, politically correct or even just acceptable to use the languages of the former colonial masters, or should African writers compose their literary work in ‚their own‘, indigenous African languages? Was it possible, as writers such as Chinua Achebe (1975: 62) suggested, to appropriate the languages of the former colonial powers and make them „carry the weight of [the writer’s] African experience“? Could the various strategies of appropriation be regarded as subversive and liberating acts of cultural emancipation, as suggested by Bill Ashcroft, Gareth Griffiths and Helen Tiffin in The Empire Writes Back (1989)? Or was it necessary to „return to“ African languages in order to „decolonise the mind“ and „move the centre“ as Ngugi wa Thiong’o put it in his two influential collections of essays, Decolonising the Mind: The Politics of Language in African Literature (1981) and Moving the Centre: The Struggle for Cultural Freedom (1993)? Whom were African writers writing for? Was African literature merely a commodity produced for the western academic machinery and general consumption in the West, dependent on the money, aesthetic opinion and political interests of the West? These were, in short, some of the questions raised regarding the issue of language and African creative writing. How they were answered by different writers and critics at different times depended very much on theoretical trends arising from certain intellectual and political contexts.

Language and the reception of African literatures in the West

As early as 1966, Janheinz Jahn’s widely influential Geschichte der neoafrikanischen Literatur already devoted several chapters to individual literary traditions in languages such as Swahili, Hausa, Sotho, Xhosa and Zulu. Nevertheless, many critics of African literatures still take it for granted that the majority of African literary production would be in English or French. In a brilliant and groundbreaking article on „African-Language Literature and Postcolonial Criticism“, Karin Barber (1995) examines the development of the reception of African creative writing in the West, from the era of ‚Commonwealth‘-criticism in the 1960s to the era of postcolonial criticism in the 1980s and 1990s. As she argues, western-oriented discourses on African literatures tended to marginalise African-language literatures while foregrounding creative writing in the former colonial languages, disregarding the fact that a great and steadily increasing part of literary production in Africa was actually taking place in African languages.

While literary criticism in the 1960s celebrated African oral traditions in the so-called vernacular languages it was assumed that modern writers would prefer to write in one of the former colonial languages. At the same time, it was made clear that they had hardly any other choice if they wanted more than just a few readers. In a seemingly radical reversal of the assumptions of Commonwealth-criticism, postcolonial criticism problematised the languages of the former colonial powers as instruments of imperial domination: „The genial model of Commonwealth literature, where the newcomer gladly offers contributions to a welcoming Great Tradition, is shown to mask stark power relations between the center and the periphery … Indigenous languages and literatures were devalued and displaced, and the colonial subject culturally and linguistically dispossessed, leading to deep loss of self-esteem and cultural confidence“ (Barber 1995: 4). Nonetheless, as Barber points out, what postcolonial criticism shares with Commonwealth criticism is „its effacement of modern indigenous-language expression in colonized countries. Indeed, it goes further than Commonwealth criticism, replacing a well-meaning confusion with a definite theoretical lock-out. If Commonwealth criticism felt that African writers had no alternative but to choose to write in English, post-colonial criticism eliminates virtually all hint of a choice: the discourses of empire were apparently all-encompassing and inescapable“ (ibid.). The postcolonial criticism of the 1980s and 1990s has thus „promoted a binarized, generalized model of the world which has had the effect of eliminating African-language expression from view. This model has produced an impoverished and distorted picture of ‚the colonial experience‘ and the place of languages in that experience. It has maintained a center-periphery polarity which both exaggerates and simplifies the effects of the colonial imposition of European languages“ (Barber 1995: 3).

Furthermore, both Commonwealth and postcolonial criticism have tended to uphold a fundamental distinction between ‚traditional‘, oral forms of poetic expression – commonly referred to as orature – which are generally associated with African languages, and modern literature, written in the (former) colonial languages and influenced by western traditions of creative writing. Creative writing in African languages – if its existence was acknowledged at all – has not only been regarded as marginal but also as transitional phenomenon, as poetic expression of a nostalgic belief in the values of the past, a model without much hope of a future in a modern, dynamic, forward-looking world. Creative writing in African languages has, therefore, sometimes seemed little deserving of support, especially since – beyond the political function it was conceded in its immediate indigenous-language contexts – it was, mostly without deeper knowledge, assumed to be of doubtful literary or aesthetic quality. But, as Barber (1995:12) has succinctly argued, the „paradigm that conflates, on the one hand, indigenous-language expression with the oral, the traditional, and the precolonial, and, on the other hand, europhone expression with writing, modernity and colonial/postcoloniality“ does not hold „under the glare“ of the facts that „the African past was not exclusively ‚oral‘; ‚oral‘ literature nowadays does not deal with an exclusively ‚traditional‘ world of experience; and modern written literature is not exclusively in European languages. Contemporary African-language written literature, gaining additional resonance and extension from its location in huge, heterogenous, popular cultures, is fully as capable of confronting contemporary ‚postcolonial‘ experience as European-language literature“. The ignorance of the contemporaneity, the aesthetic qualities and the innovative aspects of creative writing in African languages and its significance in and relevance to modern life and culture may be comprehensible considering the challenges of the interdisciplinary approach essential to its analysis and interpretation. These, beyond mere linguistic competence – which often represents the greatest barrier – require a more than superficial knowledge and understanding of the various cultural, historical, social and political contexts and processes in which it is produced, mediated and received. By focusing on the production, mediation and reception of creative writing in African languages, the planned symposium is meant to take discourse on African-language literatures to a new level of critical awareness.

Exploring the production, mediation, and reception of creative writing in African languages

Alain Ricard (2002: 1) recently observed that the interest in „African language writing is often viewed with suspicion by scholars working on Europhone texts. It is as if they felt threatened by an even purer approach to Africa. Flora Veit-Wild (1997: 554) analysed very clearly this kind of attitude stemming from a militant, protective attitude of scholars coming to the rescue of Africa and confusing humanitarian and humanistic perspectives. I do not come to the rescue of African literatures and Flora Veit-Wild is right to point out the dangers present in this idealisation of the other“. It is Ricard’s intention to call for the redressing of „the crooked timber of African literary scholarship, inebriated with Europhonia, to the extent of neglecting African written literary expression“ (ibid.). While not wanting to slight or even demonise African creative writing in English, French or Portuguese in any way, we agree with Ricard that it is high time to move beyond exclusionist approaches to African literatures. Neither creative writing in the former colonial languages nor creative writing in indigenous African languages is inherently better or worse, recommendable or damnable. The various forms of contemporary literary expression co-exist, many aspects of their art overlap and interact with each other, and both deserve to be taken seriously as works of art, as reconfigurations – to use Ricoeur’s term – of social and cultural experience. It is high time to acknowledge that creative writing in African languages is by no means a marginal phenomenon. As Bernth Lindfors (1990: vii) points out, „there were about fifty of these African written literatures in existence by the middle decades of the twentieth century, several of them in unique scripts“. In the 1980s, Ulla Schild (1988:16) was already able to assert: „Immerhin werden 40% der afrikanischen Literatur in afrikanischen Sprachen geschrieben, keine quantité négligeable„. Finally, Barber’s evidence demonstrates that by the end of the twentieth century, „African-language written literature dealing with contemporary experience often dwarfs literary production in English“ (1995: 12).

There exist various book-length studies of creative writing in African languages (e.g., Gérard 1971 and 1981; Andrzejewski, Pilaszewicz and Tyloch 1985, Ngandu Nkashama 1992; Ricard 1995). For the most part, the interest and emphasis of these pioneering studies has been historical. Their critical achievement was to have made possible a general introduction to the diverse and powerful realities of African-language literatures, some of which boast traditions spanning several centuries. These studies represent the necessary basis and starting-point for any further comparative exploration of creative writing in African languages, and more of them will still be needed as new critical perspectives are developed. It will be equally and increasingly important, however, to explore the present of African-language literatures, their presence, significance and relevance in contemporary African societies. To this effect, it will be crucial to investigate all aspects of the production, mediation and reception of creative writing in African languages.

Part of the challenge of this endeavour is that creative writing in African languages and the conditions under which it is created, mediated and received are as diverse as the languages in which it is produced; that, where critical discourses on African-language literatures have developed, these are often isolated both in relation to critical discourses on African literatures more generally and in relation to critical discourses on other African-language literatures; and that, consequently, there is no ready-made, clear-cut methodological approach or theoretical framework available as yet. While some traditions of literary expression in African languages have cultivated their own literary aesthetics and traditions, other African-language literatures are only just emerging and taking on increasing importance. The different panels of the planned symposium are designed to do justice to the heterogeneity of creative writing in African languages, to the diversity of concerns and issues arising in relation to its production, mediation and reception, and thus to stimulate comparative dialogue.

Organisation: Anja Oed (JGU Mainz) und Uta Reuster-Jahn (JGU Mainz). Finanzierung mit Mitteln der Volkswagen-Stiftung.

Oed, Anja und Uta Reuster-Jahn (Hg.): Beyond the Language Issue: The Production, Mediation and Reception of Creative Writing in African Languages. Köln: Köppe, 2008.

Mit Beiträgen von Abdalla Uba Adamu, Walter Bgoya, Memory Chirere, Lutz Diegner, Ernest N. Emenyonu, Thomas Geider, Christine Glanz, Mikhail D. Gromov, Akínwùmí Ìsòlá, Dinah K. Itumeleng, Euphrase Kezilahabi, Daniel P. Kunene, Crispin Maalu-Bungi, Francis Moto, Kiba-Mwenyu, Jean Chrysostome Nkejabahizi, Anja Oed, Jeff Opland, B. Akíntúndé Oyètádé, Alena Rettová, Uta Reuster-Jahn, Alain Ricard, Alina N. Rinkanya, Farouk Topan, Maurice Vambe und Flora Veit-Wild.

7. JJS (1995)

Popular Culture in Africa

Zu Ehren von Ernst Wilhelm Müller. Organisiert von Ulla Schild und Anna Maria Brandstetter. Ohne Publikation.

6. JJS (1992)

Autobiographical Genres in Africa

Riesz, János und Ulla Schild (Hg.): Genres autobiographiques en Afrique – Autobiographical Genres in Africa, Reimer.

5. JJS (1987)

On Stage: Theatre in Africa

Schild, Ulla (Hg.): On Stage, Edition Re.

4. JJS (1982)

The Woman in Africa as Writer & Literary Figure

Schild, Ulla (Hg.): Jaw-Bones and Umbilical Cords, Reimer. Zum 3. & 4. JJS.

3. JJS (1979)

Opposition & Exile: Aspects of African Literature

Schild, Ulla (Hg.): Jaw-Bones and Umbilical Cords, Reimer. Zum 3. & 4. JJS.

2. JJS (1977)

The Literature of East Africa

Schild, Ulla (Hg.): The East African Experience. Essays on English and Swahili Literature, Reimer.

1. JJS (1975)

The Social Significance of Modern African Literature: In Memory of Janheinz Jahn

Lindfors, Bernth und Ulla Schild (Hg.): Neo-African Literature and Culture: Essays in Memory of Janheinz Jahn, Heymann.

African Literature Alive in Mainz: Gloria Kiconco & Billy Kahora

25. November 2025

Im Rahmen des 12. JJS

Lesung und Gespräch mit Rupert Bazambanza

5. Juli 2018

Im Rahmen des 11. JJS

Szenische Lesung aus Aya de Yopougon von M. Abouet & C. Oubrerie

12. Juni 2018

Mit Studierenden der Ethnologie & der Weltliteratur im Rahmen der Vernissage von „Sichtwechsel: Comic-Helden in und aus Afrika“

Kinder, Bürgerkrieg & Bildung: Lesung & Gespräch mit Emmanuel Dongala

20. November 2014

Im Rahmen des 10. JJS zum afrikanischen Bildungsroman

Lesung mit Namwali Serpell

15. November 2011

Lesung mit Patrice Nganang

10. April 2010

Im Rahmen der VAD-Tagung

Lesung mit Angela Makholwa, Meshack Masondo & Ben Mtobwa

9. Januar 2008

Im Rahmen des 9. JJS zum afrikanischen Krimi

Lesung mit Deon Meyer

11. Januar 2008

Im Rahmen des 9. JJS

Afrikanische Liebeslyrik

27. Oktober 2006

Lesung mit Gaby Böhne aus der Anthologie Antilopenmond (Hg. Peter Ripken und Véronique Tadjo, 2002). Im Rahmen der Feier zum 60. Jubiläum des ifeas

Krimis aus Angola, Botswana, Kenia, Mali & Nigeria: Lesung mit Nick Benjamin

24. November 2005

‚Tatort Afrika‘: Barbara Mesquita liest aus ihrer Übersetzung von Jaime Bunda

20. Oktober 2005

Creative Writing in African Languages: A Polyglot Reading

20. November 2004

Mit Clara Momanyi, Daniel Kunene, Memory Chirere, Akínwùmí Ìsòlá, Chege Githiora, Peter Muiruri, Fekade Azeze, Euphrase Kezilahabi, Kiba-Mwenyu, Wangui wa Goro, Francis Moto & Farouk Topan. Im Rahmen des 8. JJS

Literarisches Konzert mit Lamine Konté

23. Juli 2004

Im Rahmen des Workshops „Schwarzer Orpheus“

Trommeln der Erinnerung

25. April 2002

Mit Tanella Boni, Mariama Ndoye, Nagognimé Dembélé, Florent Couao-Zotti & Boubacar Boris Diop

Rahmenprogramm Africanissimo

April und Mai 2000

Lesego Rampolokeng, 10. April 2000

Szenische Lesung von Wole Soyinkas Death and the King’s Horseman, 16. Mai 2000, mit Studierenden

Bra Zinga‘ Mattera, 29. Mai 2000

Mike Nicol, 30. Mai 2000

Hier werden Schätze aus dem Bestand der Jahn-Bibliothek gezeigt. Auch Studierende haben die Möglichkeit, hier ihre Arbeit zu präsentieren.

Zukunftsperspektiven für junge Leute: Shujaaz

Migration im Comic: Samia. Der Traum von Olympia

Afrikanischer Futurismus in Nigeria: Roye Okupes E.X.O.

Die Ausstellung lud ein zu einer Begegnung mit Comic-Held:innen in und aus Afrika, die vielfältige Perspektiven auf eine ganze Reihe von Themen ermöglichen. Die Comics bzw. Comic-Held:innen einiger zeitgenössischer afrikanischer Autor:innen sind bewusst als Gegenentwürfe zu kolonial geprägten bzw. stereotypen Vorstellungen von Afrika entstanden, indem sie z.B. Großstadt-Held:innen oder Superheld:innen in den Mittelpunkt stellen.

Die Ausstellung zeigte aber auch Comics mit weiteren thematischen Schwerpunkten. Comic-Held:innen aus den USA und Europa in Afrika fordern heutige Leser:innen zur kritischen Auseinandersetzung mit Rassismus auf. Afrikanische Comic-Held:innen in oder unterwegs nach Europa vermitteln unterschiedliche Perspektiven auf Migration; aber auch Märchen-, Alltags- und Krimihelden sowie Comic-Held:innen im Dienst von Bildung und Aufklärung waren in der Ausstellung vertreten, ebenso wie afrikanische Comic-Held:innen der Weltgeschichte, (Anti-)Held:innen post-kolonialer Geschichte oder Nationalheld:innen.

Rahmenprogramm:

12. Juni 2018, Vernissage mit Grußworten, thematischer Einführung und szenischer Lesung

5. Juli 2018, 11. Janheinz Jahn-Symposium „Africa in Comics and Comics in Africa“

5. Juli 2018, Rupert Bazambanza: Comics über den Genozid an den Tutsi als Erinnerungsarbeit

23. Juli 2018, Schwarzer Orpheus meets Comic-Kunst. Fest-Symposium zum 100. Jubiläum des Geburtstags von Janheinz Jahn

23. Juli 2018, Bourahima Zongo: Comics als Bildungsmedium in Afrika

Impressionen von der Ausstellung

Yoruba Poetry. Traditionelle Yoruba-Gedichte, gesammelt und übersetzt von Bakare Gbadamosi und Ulli Beier. Mit acht Serigrafien und zehn Vignetten von Susanne Wenger (Ibadan: Ministry of Education, 1959)

Die Anthologie setzt Serigrafien der österreichischen Künstlerin Susanne Wenger (1916-2009), die fast 60 Jahre lang in Nigeria lebte, in Beziehung zu mündlich tradierten Yorùbá-Gedichten (oríkì). Durch Oríkì lassen die Yorùbá die Besonderheiten einzelner Menschen, aber auch ganzer Familien lebendig werden, von Gottheiten und Königen ebenso wie von Tieren und Pflanzen. Oríkì sind oft nicht leicht zu verstehen und voller Anspielungen auf historische Ereignisse. Ein bis zwei Verse bilden meist eigene Sinnabschnitte, die immer wieder neu kombiniert werden und je nach Kontext weitere Bedeutung annehmen können. Der hier im Bild evozierte Elefant gilt als Inbegriff von Macht und königlicher Würde.

Mit Oríkì zelebrieren die Yorùbá Identität: Jemanden mit seinen bzw. ihren Oríkì anzusprechen bedeutet, seine bzw. ihre persönlichen Besonderheiten wahrzunehmen, zu würdigen und lebendig werden zu lassen, aber auch an damit verbundene Privilegien und Verantwortung zu erinnern. Deshalb haben Oríkì auch emotional oft einen hohen Stellenwert. Mit Oríkì evozieren die Yorùbá die Besonderheiten einzelner Menschen, aber auch ganzer Familien, von Gottheiten und Königen ebenso wie von Tieren und Pflanzen oder sogar Nahrung. Oríkì sind oft nicht leicht zu verstehen und voller Anspielungen auf historische Ereignisse oder Anekdoten. Ein bis zwei Verse bilden meist eigene Sinnabschnitte, die immer wieder neu kombiniert werden und je nach Kontext zusätzliche Bedeutung annehmen können.

In ihrer einfachsten Form sind Oríkì, etwas salopp formuliert, eine Art Spitzname, der sich auf bestimmte Merkmale einer Person bezieht, oft in Verbindung mit bestimmten Lebenssitutationen, und dann anstelle des Vornamens verwendet wird. Als ich selbst im Rahmen meiner Promotionsforschung zum ersten Mal in Südwestnigeria unterwegs war, bekam ich sofort den Spitznamen Àjọkẹ́, was wörtlich übersetzt „wir kümmern uns gemeinsam (um dich)“ bedeutet. Jedes Mal, wenn jemand diesen Namen aussprach, wurde damit auch ein warmherziges Versprechen wiederholt, das sich auf meine Situation als Fremde in der Gesellschaft bezog, die in vieler Hinsicht auf die Gastfreundschaft der Menschen vor Ort angewiesen war. Die ersten Oríkì bekommen Menschen gleich nach der Geburt, und je älter, bekannter und einflussreicher jemand wird, desto mehr Oríkì sammelt er bzw. sie im Laufe des Lebens an. Wenn die Oríkì einer besonders berühmten Persönlichkeit dargeboten werden, endet der Vortrag oft mit der Feststellung, dass der oder die Künstlerin noch bis morgen weitersprechen könnte, um anzudeuten, wie unendlich viel es noch über diese Person zu sagen gäbe.

Entsprechend groß ist die Anzahl von Oríkì, die dem Elefanten als größtem Landsäugetier gewidmet sind. Das in der Anthologie zusammengestellte Gedicht präsentiert nur eine kleine Auswahl dieser Oríkì, die mit ungewöhnlichen und eindrucksvollen Bildern die Größe und Stärke des Elefanten preisen und deutlich machen, welchen Respekt dieser den Menschen einflößt:

Elefant, ein Geist im Busch
Elefant, der Tod bringt
Er schluckt eine ganze Palmfrucht
mitsamt den Dornen.
Er zertrampelt das Gras
mit seinen Mörserbeinen
Wo immer er auch hintritt,
wächst kein Gras mehr.
Er schüttelt einen Mann wie einen Lumpen
und hängt ihn in den Baum.
Mit einer einzigen Hand
reißt er zwei Palmen zu Boden.
Hätte er zwei Hände
risse er den Himmel entzwei.
Ein Elefant ist keine Last für einen alten Mann –
auch nicht für einen jungen.
(Übersetzung aus dem Englischen: Ulla Schild)

Aber auch die äußeren Merkmale und besonderen Eigenarten anderer Tiere, zum Beispiel der verschiedenen Antilopenarten, des Wildschweins, des Leoparden, des Python, der Hyäne oder des afrikanischen Büffels, werden in Oríkì lebendig.

Ähnlich wie in der griechischen oder römischen Mythologie gibt es auch in der Religion der Yorùbá etliche Gottheiten, die sogenannten Òrìṣà, um die sich zahlreiche Geschichten von Liebe, Macht, Neid und Intrigen ranken. Selbstverständlich werden auch diese in Oríkì besungen, sind aber häufig bruchstückhaft und voller kryptischer Anspielungen und deshalb meist sehr schwer verständlich. Zu den bekanntesten Gottheiten gehören Ọbàtálá, der Gott der Schöpfung, Ògún, der Gott des Eisens und der Jagd, Ṣàngó, der Gott von Blitz und Donner, Èṣù, Gott der Straßenkreuzungen und Türen, eine Art Trickster-Gott und Götterbote, aber auch Göttinnen wie Yemọja, die Göttin des Meeres und der Mutterschaft, Ọ̀ṣun, die Göttin eines gleichnamigen Flusses und der Fruchtbarkeit, sowie Ọya, Göttin von Wind und Sturm, des Flusses Niger und ebenfalls der Fruchtbarkeit. Ọya wird eine ansonsten als männlich empfundene Stärke und Zerstörungskraft zugeschrieben. Unter anderem deshalb wird sie mit dem afrikanischen Büffel assoziiert; außerdem gibt es Erzählungen, denen zufolge sie sich in einen Büffel verwandeln konnte, bevor sie ihren Götter-Gatten Ṣàngó heiratete.

Susanne Wengers Serigrafien sind nicht als Illustrationen spezifischer Gedichte in der Anthologie zu verstehen, sondern bilden Szenen aus Götter-Geschichten nach. Gemeinsam mit ihrem Mann Ulli Beier ging die Künstlerin 1950 nach Nigeria, wo sie auch nach der Trennung von ihrem Mann fast sechs Jahrzehnte lang bis zu ihrem Lebensende blieb. Sie war am Aufbau der einflussreichen Òṣogbo Art School beteiligt. Außerdem wurde sie selbst eine bedeutende Priesterin der in der südwestnigerianischen Stadt Òṣogbo besonders verehrten Göttin Ọ̀ṣun und widmete sich der Gestaltung und Pflege des dortigen Heiligen Hains von Ọ̀ṣun, einem Skulpturen-Park, der 2005 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Susanne Wengers Oríkì war übrigens „Àdùnní Olóríṣà“; „Àdùnní“ bedeutet wörtlich „die zu besitzen süß ist bzw. geschätzt wird“, während „Olóríṣà“ der Begriff für den Anhänger bzw. die Anhängerin einer Gottheit ist. Ihr Tod wurde mit den Worten „Erín wọ̀, Àjànàkú sùn bí òkè“ bekannt gegeben, was bedeutet: „Der Elefant ist gefallen, Àjànàkú (ein Oríkì-Spitzname des Elefanten) schläft wie ein Hügel“ (d.h., genau, wie man einen Hügel nicht bewegen kann, steht auch der gefallene Elefant nicht wieder auf). Diese Worte werden nur beim Tod von Königen und besonders bedeutenden Perönlichkeiten verwendet, was wiederum auf das hohe Ansehen des Elefanten verweist.

In der Sammlung der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen ist die Anthologie als Sammlung verschriftlichter Oratur eher ungewöhnlich und damit etwas ganz Besonderes. Die Jahn-Bibliothek verfügt aber über einen großen Bestand an zeitgenössischer, geschriebener Literatur in über achtzig verschiedenen afrikanischen Sprachen. Darunter ist auch eine größere Zahl auf Yorùbá verfasster Romane, Theaterstücke und Lyrik-Sammlungen, Kinderbücher und sogar Comics, außerdem Übersetzungen aus dem Yorùbá bzw. ins Yorùbá. Eine ganze Reihe literarischer, auf Yorùbá verfasster Werke wurde in Nigeria auch verfilmt.

Meisterdetektiv Akins neuester Fall: Nigerianischer Kollege von Sherlock Holmes ermittelt auf Yorùbá

Dieses auf den ersten Blick eher unscheinbare, etwas abgenutzt wirkende Buch ist eine kleine Kostbarkeit. Es handelt sich um einen Detektivroman des nigerianischen Schriftstellers Kọ́lá Akínlàdé (geb. 1924), der 1976 unter dem Titel Owó Ẹ̀jẹ̀ [dt.: Blutgeld] auf Yorùbá, einer der wichtigsten Sprachen Nigerias, veröffentlicht wurde und in dem ein Meisterdetektiv den Mord an einem jungen Migranten aufklärt. Wie viele seit dem vergangenen Jahrhundert in Afrika lokal publizierte literarische Werke ist der Roman längst vergriffen und sogar in Bibliotheken nicht oft zu finden – auch in Nigeria selbst, obwohl der Roman dort vor zehn Jahren erfolgreich verfilmt wurde und als Klassiker der modernen Yorùbá-Literatur gilt. Kọ́lá Akínlàdé, der neben anderen Werken insgesamt neun Detektivromane veröffentlicht hat, ist der bedeutendste Yorùbá-Vertreter dieses Genres. Wie manch anderes Buch fand auch dieses Werk auf ganz besondere Weise und jenseits üblicher bibliothekarischer Bestellvorgänge seinen Weg in die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU): Die wissenschaftliche Leiterin kaufte es 1999 während eines privaten Feldforschungsaufenthalts in Nigeria unverhofft von einem Straßenhändler in Ibadan.

Owó Ẹ̀jè ist der vierte Roman um einen Meisterdetektiv namens Akin Olúṣínà. (Krimi aus der Jahn-Bibliothek, Foto: Thomas Hartmann, Universitätsbibliothek Mainz) Er spielt in den 1970er-Jahren in der Gegend von Ondo in Südwestnigeria. Nachdem Súlè, ein junger Migrant in den Zwanzigern, der unter den Yorùbá als Kakaofarmer arbeitete, vergiftet worden ist, ermittelt die örtliche Polizei. Auf Wunsch der Verlobten des Ermordeten wird sie dabei maßgeblich durch den Meisterdetektiv unterstützt. Nach und nach werden mehrere Tatverdächtige identifiziert und verhört, darunter berüchtigte Kriminelle ebenso wie respektable Mitglieder der Gesellschaft. In einer dramatischen Szene am Ende des Romans bestellt der Meisterdetektiv, der in seinen privaten Ermittlungen der Polizei, die noch immer im Dunkeln tappt, entscheidende Schritte voraus ist, alle noch verbliebenen Verdächtigen aufs Revier ein. Während die Unschuldigen unter den Anwesenden schnell entlastet werden, gelingt es dem Meisterdetektiv in beeindruckender Weise, nicht nur den Täter zu überführen, sondern nebenbei noch weitere ungeklärte Fälle zu lösen. Súlès Mörder ist ausgerechnet dessen wohlhabender, väterlicher Yorùbá-Mentor Bàbá Wálé, der ihm scheinbar großzügig – im Gegenzug für gelegentliche Arbeitsleistungen – Land zum Kakaoanbau überlassen hatte, ohne dies vertraglich zu dokumentieren. Dieser wollte nun die Früchte der jahrelangen, harten Arbeit Súlès ernten.

Der Autor Akínlàdé adaptiert mit seinem Detektivroman ein globales Genre, das er instrumentalisiert, um sich mit spezifischen, lokal relevanten Themen der zeitgenössischen, von der Kolonialzeit geprägten Yorùbá-Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dazu zählen neue Möglichkeiten von Frauen in einer westlich beeinflussten Welt, aber auch Herausforderungen, die sich daraus für diese ergeben. Auch ethnisch motivierte Diskriminierung und Ausbeutung sowie die Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen Sein und Schein werden geschickt mit dem Mordfall verknüpft und in einen aktuellen gesellschaftlichen Kontext gestellt. Die insgesamt positive Darstellung der Polizei dient der Korrektur weit verbreiteter Vorbehalte und soll das Vertrauen der Leser in moderne Institutionen staatlicher Gewalt stärken. Am deutlichsten wird die Vision des Autors von gelungener Moderne durch die Figur des Meisterdetektivs selbst verkörpert. Dessen Überlegenheit und letztlich das Geheimnis seines Erfolgs sind wesentlich durch seine kulturelle Kompetenz und Flexibilität begründet, die es ihm erlauben, in der modernen Yorùbá-Gesellschaft optimal zu funktionieren. Die Auseinandersetzung mit dem kulturellem Wandel und den Herausforderungen, die dieser im Alltag der Menschen mit sich bringt, wird dabei nicht als Kampf zwischen „Tradition“ bzw. „Yorùbá-Kultur“ einerseits und „Modernität“ bzw. „westlicher Kultur“ andererseits inszeniert. Vielmehr geht es darum, sich in einem dynamischen Prozess und auf lokal relevante Art und Weise mit der Moderne auseinanderzusetzen – weder im Gegensatz zu traditioneller Kultur noch in gezielter Abgrenzung vom Westen, sondern durch die geschickte, strategische Integration von Elementen beider Welten.

Akínlàdés Detektivroman ist typisch für die Sprachenvielfalt der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen, deren Bestand auf den Journalisten, Übersetzer und Literaturvermittler Janheinz Jahn (1918-1973) zurückgeht. Als einer der ersten Forscher überhaupt verstand Jahn Literatur aus Afrika unabhängig davon, in welcher Sprache sie verfasst war, als eigene Tradition und nicht als Übersee-Abteilung der europäischen Philologien; von Anfang an war es für ihn selbstverständlich, dass afrikanische Schriftsteller ihre Werke nicht nur in den Kolonialsprachen, sondern auch in lokalen Sprachen verfassten. Bereits seine erste Begegnung mit afrikanischer Literatur bei einem Vortrag des Dichters und späteren senegalesischen Präsidenten Léopold Sédar Senghor (1906-2001) im Dezember 1951 mag dieses Verständnis begründet haben, denn Senghor trug bei dieser Gelegenheit Gedichte in französischer Sprache, aber auch auf Wolof, einer der wichtigsten Sprachen seines eigenen Heimatlandes, vor. Mittlerweile verfügt die Jahn-Bibliothek über eine einzigartige Sammlung literarischer Werke in über achtzig Sprachen, darunter die ehemaligen Kolonialsprachen ebenso wie eine sehr große Zahl afrikanischer Sprachen.

Literatur

  • Akínlàdé, Kọ́lá, 1976: Owó Ẹ̀jẹ̀. Ibadan.
  • Oed, Anja, 2012: „‚The world has changed‘: modernity in Kọ́lá Akínlàdé’s detective novel Owó Ẹ̀jẹ̀“. In: Anja Oed und Christine Matzke (Hg.): Life is a Thriller. Köln, 113-127.
  • Oed, Anja, 2006: „Literaturen in afrikanischen Sprachen und die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen“. In: Anna-Maria Brandstetter und Carola Lentz (Hg.): 60 Jahre Institut für Ethnologie und Afrikastudien. Ein Geburtstagsbuch. Köln, 163-177.
  • Ògúnṣínà, Bísí, 1992: The Development of the Yoruba Novel, 1930-1975. Ilorin.

Die Jahn-Bibliothek ist regelmäßig in den wechselnden Ausstellungen der Universitätssammlungen im Sammlungsschaukasten in der AMA-Lounge vertreten, ebenso wie mit Führungen bzw. Vorträgen z.B. anlässlich des Tags der Sammlungen.

Weitere Ausstellungsprojekte der Universitätssammlungen:

Ziemlich beste Freunde: Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast in Mainzer Museen

Ungewohnte Exponate erwarten die Besucherinnen und Besucher vom Frühling bis zum Frühherbst in den Dauerausstellungen des Landesmuseums Mainz, des Naturhistorischen Museums und des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums: Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sind zu Gast! Ausgewählte Objekte aus den vielfältigen Beständen der Universität, die an verschiedenen Instituten für Lehre und Forschung genutzt werden, die die wissenschaftshistorische Entwicklung dokumentieren und ganz unterschiedliche ästhetische, kulturelle und ideelle Werte haben, treten in einen spannungsreichen Dialog mit den Exponaten der Museen. Wie eine Spur ziehen sich die universitären Sammlungsstücke durch die Museen. In den Bestandsvitrinen der Dauerausstellungen, aber auch in Gastvitrinen in den Farben der Universität Rot und Weiß wird beispielsweise eine indische Bronzefigur gezeigt, die mit mittelalterlichen Mariendarstellungen kontrastiert, eine Maske aus Kamerun steht einem Elefantenmodell gegenüber und mathematische Modelle korrespondieren mit moderner Kunst. Unterschiedliche Lebenswelten, Geschichten, Disziplinen, Epochen, Stile und Materialien treffen aufeinander. Die spielerischen Exponat-Nachbarschaften eröffnen überraschende Perspektiven und lassen die musealen und universitären Sammlungen in neuem Licht erscheinen. Sie fordern eine erneute Auseinandersetzung mit den Objekten heraus, decken Gemeinsamkeiten der vordergründig so unterschiedlichen Bestände auf, lassen Verbindungen quer zu Fächern und Kulturen erkennen und regen zu neuen Assoziationen und Erkenntnissen an. So bereichern sich die ungleichen Objektpaare gegenseitig – wie dies beste Freunde eben tun …

Kuratorin: Dr. Vera Hierholzer, Sammlungskoordinatorin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Wertsachen: Die Sammlungen der Universität Mainz

Die Ausstellung präsentiert Objekte aus den Sammlungen der JGU, die vielfach einen hohen Wert für Forschung und Lehre, aber auch kulturellen und ästhetischen Wert haben. Sie gibt erstmals Einblick in Keller und Dachböden, Büroräume und Depots, in denen die vielen Tausend Sammlungsstücke aufbewahrt werden. Und sie zeigt die Menschen hinter den Objekten: die Wissenschaftler/innen, die an den Sammlungen forschen, sie zur Wissensvermittlung nutzen, sie pflegen und erweitern.

Kuratorin: Dr. Vera Hierholzer, Sammlungsbeauftragte der JGU Mainz

Fotografien: Thomas Hartmann

Collecting Culture: Afrika in Archiven und Bibliotheken des Rhein-Main-Gebiets, 2006

Die Jahn-Bibliothek beteiligte sich an einer Ausstellung zum Thema „Collecting Culture: Afrika in Archiven und Bibliotheken des Rhein-Main-Gebietes“, die anlässlich der VAD-Tagung vom 25. Juli bis 28. August 2006 in Räumen der Universitätsbibliothek Johann Christian-Senckenberg in Frankfurt am Main zu sehen war.

Aus der Ankündigung:

Das Rhein-Main-Gebiet bietet eine in Deutschland einmalige Dichte von Forschungsinstitutionen, Bibliotheken, Sammlungen und Archiven mit Bezug auf Afrika. Ihre Entwicklung reflektiert den wechselvollen Blick, den Europa auf den südlichen Nachbarkontinent warf. Dabei reichen einige Wurzeln bis in die Frühzeit der europäischen Begegnung mit dem afrikanischen Kontinent.

Die Ausstellung „Collecting Culture“ (25.7. – 28.8.2006) will die Afrika-Sammlungen dieser Institutionen ausgehend von ihren Gründerpersönlichkeiten vorstellen. Die Strömungen der europäischen Geistesgeschichte und die politischen Entwicklungen der Vergangenheit spiegeln sich in den Sammlungen wie Sedimente des Wissens. Der Blick auf Afrika veränderte sich im Laufe der Zeit und bewirkte eine Veränderung der Forschungsfragen und damit auch der Zusammensetzung der Sammlungen: Die Perspektive wandelte sich von der Rettung des vermeintlich „Authentischen“ bis hin zur Dokumentation des Hybriden und des Alltags.

Erstmals werden anlässlich der VAD-Tagung 2006 in Frankfurt a. M. die unterschiedlichsten Medien (Zeichnungen, Fotografien, Bücher, Musik, ethnographische Objekte) aus vier Sammlungen – dem Frobenius-Institut und der Universitätsbibliothek, beide in Frankfurt a. M., sowie dem Archiv für die Musik Afrikas und der Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen, beide Mainz – gemeinsam einer breiten Öffentlichkeit in den Räumen der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt a. M., präsentiert.

Geschichte und Geschichten: Die Literaturen Afrika, Mai 2000

Präsentation einer Wanderausstellung der Aktion Afrikanissimo

Organisation: Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.

Konzeption und Text: Thomas Brückner

Mit Begleitbroschüre von Thomas Brückner (1998)

Rahmenprogramm:

  • 10. April: Event mit Lesego Rampolokeng (Südafrika) 
  • 16. Mai: Szenische Lesung von Wole Soyinkas Death and the King’s Horseman
  • 29. Mai: Lesung mit Don ‚Bra Zinga‘ Mattera (Südafrika)
  • 30. Mai: Mike Nicol (Südafrika)

Die Geschichte der Jahn-Bibliothek – und darüber hinaus die Geschichte afrikanischer Literatur in Deutschland – ist untrennbar mit Janheinz Jahn und Ulla Schild verbunden, deren Begeisterung für zeitgenössische afrikanische Literaturen, ausgeprägtem Forscherdrang und Sammeleifer die Jahn-Bibliothek einen großen Teil ihres nahezu einzigartigen Bestandes verdankt.

Nach seiner prägenden Begegnung mit Léopold Sédar Senghor im Jahr 1951 begann Janheinz Jahn, Literatur schwarzer Dichterinnen und Dichter aus aller Welt bibliografisch zu erfassen, aber auch in einer privaten Sammlung zusammenzutragen. Mehrere Jahre lang wurde er dabei u.a. von Claus Peter Dressler, einem ausgebildeten Bibliothekar, unterstützt.

Nach Jahns Tod wurde Anfang 1975 die „Janheinz Jahn-Bibliothek für moderne afrikanische Literatur“ eingerichtet. Als wissenschaftliche Leiterin machte Ulla Schild die Jahn-Bibliothek bis zu ihrem Tod im Februar 1998 zu einer international bekannten Forschungseinrichtung.

Nach Jahns Tod im Oktober 1973 setzten sich E.W. Müller und Gerhard Grohs als Professoren am damaligen „Institut für Ethnologie“ der JGU Mainz auf Vorschlag von Ulla Schild dafür ein, Jahns private Bibliothek einschließlich eines dazugehörigen Katalogs für das Institut zu erwerben. Diese Bemühungen waren schließlich erfolgreich: Im Dezember 1974 bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Ankauf der sogenannten „Bibliothek Janheinz Jahn“ aus Sondermitteln des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Ausschlaggebend war dabei die Tatsache, dass es am Institut für Ethnologie seit 1972 eine Professur für afrikanische Philologie gab, was im Hinblick auf die sprachübergreifende Ausrichtung von Jahns Sammlung als wichtige Voraussetzung für deren Fortführung und Pflege angesehen wurde.

Anfang 1975 wurde die nach Jahn benannte „Janheinz Jahn-Bibliothek für moderne afrikanische Literatur“ als öffentlich zugängliche Bibliothek am Institut für Ethnologie eingerichtet. Zur wissenschaftlichen Betreuung und Erweiterung der Sammlung wurde, wie von der DFG im Zusammenhang mit der Bewilligung gefordert, eine neue Stelle am Institut geschaffen und mit Ulla Schild als Janheinz Jahns langjähriger Mitarbeiterin und Partnerin besetzt. Nach deren Tod wurde die Stelle zunächst von PD Dr. Thomas Brückner und PD Dr. Thomas Geider vertreten und 2002 mit Dr. Anja Oed neu besetzt.

Der Bestand der Jahn-Bibliothek ist seit 1975 kontinuierlich und, Jahns Sammelprinzip folgend, sprachübergreifend erweitert worden. Seit 2002 heißt die Bibliothek „Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen“.

2012 wurde der Bestand in die Universitätsbibliothek übernommen.

Literaturhinweise

  • Lindfors, Bernth und Ulla Schild (Hg.), 1976: Neo-African Literature and Culture. Essays in Memory of Janheinz Jahn. (Mainzer Afrika-Studien, 1). Wiesbaden: B. Heymann.
  • Müller, Ernst Wilhelm, 2006: „Reminiszenzen eines Betroffenen“. In: Anna-Maria Brandstetter und Carola Lentz (Hg.): 60 Jahre Institut für Ethnologie und Afrikastudien. Ein Geburtstagsbuch. (Mainzer Beiträge zur Afrikaforschung, 14). Köln: Rüdiger Köppe, 63-85.
  • Oed, Anja, 2006: „Literaturen in afrikanischen Sprachen und die Jahn-Bibliothek für afrikanische Literaturen“. In: Anna-Maria Brandstetter und Carola Lentz (Hg.): 60 Jahre Institut für Ethnologie und Afrikastudien. Ein Geburtstagsbuch. (Mainzer Beiträge zur Afrikaforschung, 14). Köln: Rüdiger Köppe, 163-177.

Jugendliche Begeisterung für Fremdsprachen und Literatur

Janheinz Jahn wurde am 23. Juli 1918 in Frankfurt am Main in eine gut situierte Familie geboren. Durch Auslandsreisen wurde früh sein Interesse an fremden Sprachen und Literaturen geweckt. Bereits vor Beginn seines Studiums der Dramaturgie sowie der deutschen, italienischen und arabischen Philologie, das durch den Zweiten Weltkrieg vorzeitig beendet wurde, beherrschte er fünf europäische Sprachen. Nach dem Krieg arbeitete Jahn zunächst als freier Journalist und unternahm auch eigene literarische Versuche.

Schicksalhafte Begegnung: Janheinz Jahns erste Begegnung mit Léopold Sédar Senghor

Am 1. Dezember 1951 hatte Jahn schließlich jene denkwürdige Begegnung, die den Rest seines Lebens prägen sollte: Auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Frankfurt hielt Léopold Sédar Senghor, späterer senegalesischer Präsident und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (1968), einen Vortrag zum Thema „La nouvelle poésie n[…] de langue française“, den Jahn besuchte.

Eigene Gedichte trug Senghor bei dieser Gelegenheit zwar nicht vor, aber durch ihn hörte Jahn zum ersten Mal auf Französisch verfasste Werke von Dichtern wie Aimé Césaire, Léon Damas, Birago Diop und Paul Niger. Er war begeistert und beschloss, weitere dieser Gedichte zu sammeln, sie zu studieren und nach Möglichkeit ins Deutsche zu übertragen.

Jahns ‚geistige Entdeckungsreise per Luftpost‘

Die nächsten Jahre waren für Jahn eine „geistige Entdeckungsreise per Luftpost“, wie er es selbst einmal formulierte. Er verschickte über 600 Briefe, um die Anschriften weiterer Dichter zu ermitteln und mit diesen sowohl die Auswahl der Texte als auch seine Übertragungen zu diskutieren.

Schwarzer Orpheus und der Beginn der Rezeption afrikanischer Literatur in Deutschland

Das Resultat dieser mehrjährigen Bemühungen war die Lyrik-Anthologie Schwarzer Orpheus: Moderne Dichtung afrikanischer Völker beider Hemisphären, herausgegeben und übersetzt von Janheinz Jahn, erschienen 1954 im Carl Hanser Verlag. Mit der Veröffentlichung von Schwarzer Orpheus wurde zum ersten Mal moderne Dichtung aus Afrika und der afrikanischen Diaspora einer breiteren deutschen Leserschaft zugänglich gemacht, zu einer Zeit, als die Existenz einer geschriebenen afrikanischen Literatur in Deutschland noch weitgehend unbekannt war.

Schwarzer Orpheus war zunächst ein verlegerisches Abenteuer des damaligen Leiters der literarischen Abteilung des Carl Hanser Verlags und späteren Professors für Buchwissenschaften und Editionskunde an der Universität München, Herbert G. Göpfert, der sich unter anderem um die Veröffentlichung von zeitgenössischer Weltliteratur bemühte: Literarisch Innovatives, aber auch bisher zu wenig Beachtetes sollte in Deutschland bekannt gemacht werden. Jahns Schwarzer Orpheus, der 161 Gedichten von 82 Autorinnen und Autoren umfasst, erlebte im Lauf der Jahre mehrere Auflagen, wurde ein Bestseller und erlangte eine Art Kult-Status. 1964 erschien eine erweiterte Fassung.

Der Titel der Lyrik-Anthologie zitiert Jean-Paul Sartres berühmtes Vorwort zu Senghors Anthologie de la nouvelle poésie nègre et malgache de langue française (1948), „Orphée Noir“, in dem Sartre die Suche der Dichter nach einer ’schwarzen‘ Identität und nach lyrischen Ausdrucksmöglichkeiten für diese mit dem Abstieg des Orpheus in die Unterwelt vergleicht.

Jahn als Vermittler afrikanischer Literatur

Nach dem Erscheinen des Schwarzen Orpheus widmete Jahn sich weiterhin leidenschaftlich der Vermittlung afrikanischer Literatur in Deutschland. Zu vielen Dichtern und Schriftstellern entwickelte er im Laufe der Jahre ein freundschaftliches Verhältnis. Hiervon zeugen die handschriftlichen Widmungen, mit denen einige der Autoren ihre Werke für Jahn signiert haben.

Neben weiteren Anthologien machte er sich mit einflussreichen, wenngleich aus heutiger Sicht in manchen Punkten kontroversen literaturwissenschaftlichen bzw. kulturphilosophischen Werken (Muntu: Umrisse der neoafrikanischen Kultur, 1958 und Geschichte der neoafrikanischen Literatur: Eine Einführung, 1966) international einen Namen und kompilierte erste Bibliographien und Nachschlagewerke zu Literatur aus Afrika und der afrikanischen Diaspora.

Mit seiner Begeisterung für zeitgenössische afrikanische Literaturen und seinem ausgeprägten Sammeleifer, dem die Jahn-Bibliothek ihren einzigartigen Bestand zu einem großen Teil verdankt, hat Janheinz Jahn bedeutende Pionierarbeit geleistet.

Literaturhinweise

  • Geider, Thomas, 2006: „Janheinz Jahn als Vermittler afrikanischer Literatur in den deutschen Sprachraum und die Weltliteratur“. In: Anna-Maria Brandstetter und Carola Lentz (Hg.): 60 Jahre Institut für Ethnologie und Afrikastudien. Ein Geburtstagsbuch. (Mainzer Beiträge zur Afrikaforschung, 14) Köln: Rüdiger Köppe, 141-161.
  • Jahn, Janheinz, 1954: Schwarzer Orpheus. Moderne Dichtung afrikanischer Völker beider Hemisphären. München: Carl Hanser.
  • Jahn, Janheinz, 1954: „Verblüffende Wirkung eines Lyrikbandes: 600 Briefe an die N[…] aller Kontinente“. Die Welt, 25. November.
  • Jahn, Janheinz, 1958: Muntu: Umrisse der neoafrikanischen Kultur. Düsseldorf: Eugen Diederichs.
  • Jahn, Janheinz, 1965: Die neoafrikanische Literatur: Gesamtbibliographie von den Anfängen bis zur Gegenwart. Düsseldorf: Eugen Diederichs.
  • Jahn, Janheinz, 1966: Geschichte der neoafrikanischen Literatur: Eine Einführung. Düsseldorf: Eugen Diederichs.
  • Jahn, Janheinz, 1968: „Meine erste Begegnung mit Senghor“. Darmstädter Echo, 20. September.
  • Jahn, Janheinz und Claus Peter Dressler, 1971: Bibliography of Creative African Writing. Nendeln, Liechtenstein: Kraus Reprint.
  • Jahn, Janheinz, Ulla Schild und Almut Nordmann, 1972: Who’s Who in African Literature. Biographies, Works, Commentaries. Tübingen: Horst Erdmann.
  • Lindfors, Bernth, 1976: „The works of Janheinz Jahn“. In: Bernth Lindfors und Ulla Schild (Hg.): Neo-African Literature and Culture. Essays in Memory of Janheinz Jahn. (Mainzer Afrika-Studien, 1). Wiesbaden: B. Heymann, 10-23.
  • Ricard, Alain, 2008: „Creative writing in African languages: writers, scholars, translators“. In: Anja Oed und Uta Reuster-Jahn (Hg.): Beyond the Language Issue: The Production, Mediation and Reception of Creative Writing in African Languages. Köln: Rüdiger Köppe, 145-151.
  • Sartre, Jean-Paul, 1948: „Orphée noir“. In: Senghor, Léopold Sédar Senghor (Hg.): Anthologie de la nouvelle poésie n[…] et malgache de langue française. Paris: Presses Universitaire de France, X-XLIV.
  • Schild, Ulla, 1974: „A bibliography of the works of Janheinz Jahn“. Research in African Literatures 5, 2, 196-205.
  • Schild, Ulla, 1976: „A bibliography of the works of Janheinz Jahn“. In: Bernth Lindfors und Ulla Schild (Hg.): Neo-African Literature and Culture. Essays in Memory of Janheinz Jahn. (Mainzer Afrika-Studien, 1). Wiesbaden: B. Heymann, 24-31.
  • Schwarz, Anja (mit Flora Veit-Wild), 2008: „Passionate and controversial: Janheinz Jahn as a mediator of cultures among Europe, Africa, and America“. In: Ineke Phaf-Rheinberger und Tiago de Oliveira Pinto (Hg.): AfricAmericas. Itineraries, Dialogues, and Sounds. Frankfurt am Main: Vervuert, 27-35.
  • Seiler-Dietrich, Almut, 2003: „Janheinz Jahn und die neoafrikanische Literatur“. In: Flora Veit-Wild (Hg.): Nicht nur Mythen und Märchen. Afrika-Literaturwissenschaft als Herausforderung. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier, 94-113.
  • Senghor, Léopold Sédar Senghor (Hg.), 1948: Anthologie de la nouvelle poésie n[…] et malgache de langue française. Paris: Presses Universitaire de France.

Ulla Schild und afrikanische Literatur

Ulla Schild wurde am 17. November 1938 in Berlin geboren und verbrachte ihre Kindheit überwiegend in Straßburg (Elsass) bzw. nach Kriegsende in Oberkirch (Schwarzwald). 1951 zog sie mit ihren Eltern nach Karlsruhe, wo sie 1957 das Abitur ablegte. 1958 nahm sie an der Universität Heidelberg zunächst ein Studium der Germanistik und Anglistik auf, hörte nebenbei Afrika-bezogene Vorlesungen und schrieb sich schließlich, nach zehn Semestern, für ein Studium der Ethnologie ein, wobei sie sich auf „moderne afrikanische Literatur“ spezialisierte (Schild 1981). 1972 schloss Ulla Schild ihr Magister-Studium der Ethnologie in Heidelberg ab.

Ulla Schild und Janheinz Jahn

In Heidelberg hatte Ulla Schild Mitte der 1960er Jahre Janheinz Jahn kennengelernt, der sie mit seiner Begeisterung für „neo-afrikanische“ Literatur ansteckte. Diese Begegnung wurde „für ihren weiteren Lebensweg bestimmend“ (Riesz 1999: 306) und bewog sie ab 1968, als freiberufliche Journalistin über (neo-)afrikanische Literaturen zu schreiben – im Laufe ihres Lebens über 100 Zeitungsartikel und Rezensionen (Czernik und Olivares Canas 1999). Als Mitarbeiterin und Partnerin von Janheinz Jahn arbeitete Ulla Schild eng mit diesem zusammen. Unter anderem gab sie gemeinsam mit Jahn und Almut Nordmann 1972 das Who’s Who in African Literature heraus.

Ulla Schild als Leiterin der „Janheinz Jahn-Bibliothek für moderne afrikanische Literatur“

Nach Jahns Tod im Oktober 1973 schlug Ulla Schild Ernst Wilhelm Müller, Professor am „Institut für Ethnologie“ der JGU Mainz, den Erwerb von Jahns privater Bibliothek vor. Müller und sein Kollege Gerhard Grohs, ebenfalls Professor am Institut, bewarben sich daraufhin erfolgreich um den Ankauf der Bibliothek, so dass Anfang 1975 die „Janheinz Jahn-Bibliothek für moderne afrikanische Literatur“ eingerichtet werden konnte. Ulla Schild wurde auf einer eigens für die Betreuung der Bibliothek eingerichteten Stelle, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie.

1980 promovierte Ulla Schild bei E.W. Müller am „Institut für Ethnologie und Afrika-Studien“, wie dieses inzwischen hieß, der JGU Mainz mit einer Dissertation zum Thema „Literaturen in Papua Neu-Guinea“. Ein kleiner Bestand an Literatur aus Ozeanien (einschließlich relevanter Sekundärliteratur) reflektiert dieses Forschungsinteresse bis heute.

Bereits vom 7. bis 8. April 1975 fand, zur Erinnerung an Janheinz Jahn und initiiert von Ulla Schild, das erste der nach ihm benannten internationalen Janheinz Jahn-Symposien statt. Im Jahr darauf erfolgte die Publikation eines Teils der während des Symposiums gehaltenen Vorträge unter dem Titel Neo-African Literature and Culture: Essays in Memory of Janheinz Jahn (1976). Der Band wurde von Bernth Lindfors und Ulla Schild herausgegeben. Insgesamt war Ulla Schild an der Organisation von sieben Janheinz Jahn-Symposien beteiligt.

Ulla Schild starb, nach schwerer Krankheit, am 22. Februar 1998 in Mainz. Anna-Maria Brandstetter, ehemalige Studentin und langjährige Kollegin von Ulla Schild und bis 2024 Mitarbeiterin am ifeas, hat Ulla Schilds Wirken in einem Nachruf mit folgenden Worten gewürdigt:

Under her administration, the Janheinz Jahn Library developed into a well-known international research institution which hosted many DAAD and Humboldt fellows primarily from Africa. She intensely took care of their needs and scholarly work and generously and freely fostered their future scientific careers. Over the years, the International Janheinz Jahn Symposia that she organized became an appreciated platform for scholars of various fields, literati, and artists alike who readily joined her for a triennial mutual exchange in an uninterrupted flow of ideas all focussed on African literature and culture. It is fair to say that this way Ulla Schild achieved a lot for the international visibility of her University at Mainz, the town of Gutenberg where modern printing was invented, the condition for the spreadout of literature. … [S]tudents especially valued her teaching. She had the gift to stir immediate interest for African literature with students of both social anthropology and the comparative literatures. (Brandstetter 1998b)

János Riesz, langjähriger Inhaber des Lehrstuhls für Romanische Literaturwissenschaft und Komparatistik mit besonderer Berücksichtigung der afrikanischen Literatur an der Universität Bayreuth, hielt fest, ebenfalls in einem Nachruf:

Ulla Schild wird in der Erinnerung vieler jeweils in anderer Weise weiterleben, jeder wird anderes von ihr erinnern, andere Worte, andere Geschichten zu erzählen und zu berichten wissen“ (Riesz 1999: 306).

Gerade in der schwierigen Phase nach dem Tode Janheinz Jahns kommt Ulla Schild das Verdienst zu, das Interesse an afrikanischer Literatur wach und lebendig gehalten zu haben: durch die Initiative zur Herausgabe von Sammelbänden, Sondernummern von Zeitschriften, Kongreßakten, Arbeiten von Senegal bis Südafrika, von Nigeria bis Kenia, und über Afrika hinaus von Madagaskar bis Papua-Neuguinea. Und stets war sie dabei nicht nur um wissenschaftlichen Fortschritt, um Mehrung des Wissensstandes über Afrikas Literatur bemüht, sondern auch um Vermittlung (Riesz 1999: 307).

Literaturhinweise

  • Brandstetter, Anna-Maria, 1998a: „Dr. Ulla Schild“. Nachruf auf Ulla Schild. JOGU 160 (April 1998), 31.
  • Brandstetter, Anna-Maria, 1998b: „Character is beauty“. Nachruf auf Ulla Schild. ALA Bulletin 24, 2, 43-44.
  • Czernik, Godehard und Carolin Olivares Canas, 1999: „Schriftenverzeichnis Ulla Schild“. Paideuma 45, 311-326.
  • Jahn, Janheinz, Ulla Schild und Almut Nordmann, 1972: Who’s Who in African Literature. Biographies, Works, Commentaries. Tübingen: Erdmann.
  • Müller, Ernst Wilhelm, 2006: „Reminiszenzen eines Betroffenen“. In: Anna-Maria Brandstetter und Carola Lentz (Hg.): 60 Jahre Institut für Ethnologie und Afrikastudien. Ein Geburtstagsbuch. (Mainzer Beiträge zur Afrikaforschung, 14). Köln: Rüdiger Köppe, 63-85.
  • Riesz, János, 1999: „Ulla Schild (1938-1998)“. Nachruf auf Ulla Schild. Paideuma 45, 305-310.
  • Schild, Ulla, 1981: Literaturen in Papua-Neuguinea. (Mainzer Ethnologische Arbeiten, 3) Berlin: Dietrich Reimer.