Institut für Ethnologie und Afrikastudien  
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Prof. Dr. Carola Lentz

Zusammenfassungen abgeschlossener Projekte

Gemeinschaft im Exil. Eritreische Netzwerke in Deutschland.
Projektleiterin: Prof. Dr. Carola Lentz. Mitarbeiterin: Nina von Nolting, M.A. Laufzeit: 2003–2004. Förderung: ZIS, Universität Mainz. Link

Das Forschungsvorhaben will Prozesse der Gemeinschaftsbildung von eritreischen Migranten in Deutschland untersuchen. Dabei soll insbesondere die Rolle nationalistischer Ideologien für die Stabilisierung des Zusammenhalts der Exilgemeinschaft und für das Selbstbewußtsein sowie die Integrations- bzw. Remigrationswünsche und -strategien der einzelnen Migranten thematisiert werden.

Im Zentrum der Untersuchung stehen Menschen aus Eritrea, die vor den Auswirkungen eines fast vierzig Jahre andauernden Befreiungskrieges flohen und seit Beginn der 1980er Jahre in Deutschland leben. Erforscht werden soll, wie sich ihr Status als Flüchtlinge und Angehörige einer relativ jungen Nation auf ihre Lebensbedingungen, Handlungsstrategien und die Gemeinschaftsbildung im Exil auswirkt. Von besonderem Interesse ist dabei die Herausbildung eines städte- und sogar länderübergreifenden Netzwerkes von eritreischen Vereinen und anderen Institutionen, in denen nationalistische Ideologien und Vorstellungen von einer „eritreischen Kultur“ entwickelt und propagiert werden. Untersucht werden soll in diesem Zusammenhang auch der indirekte und direkte Einfluß des Herkunftsstaates auf die Exilgemeinschaft(en).

Das Projekt will damit einen Beitrag zur Forschung über die Kultur und Organisation afrikanischer Migranten in Deutschland und zur Diskussion über Flucht, Diaspora und Nationalismus leisten. Mit diesen Themen steht das Projekt an der Schnittstelle zwischen ethnologischen und politikwissenschaftlichen Ansätzen und arbeitet transdisziplinär.

 

Landnahme: Raumaneignung und lokale Identität im Südwesten Burkina Fasos.
Teilprojekt A9 im Sonderforschungsbereich 268 „Westafrikanische Savanne“. Projektleiterin: Prof. Dr. Carola Lentz. MitarbeiterInnen: Dr. Richard Kuba, Michaela Oberhofer MA., Dr. Katja Werthmann, Andrea Wilhelmi MA. Laufzeit: 1997-2002. Förderung: DFG. Homepage

Das Projekt soll die in der Forschungsphase 1997-99 begonnenen Untersuchungen zur Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte im Süden Burkina Fasos fortsetzen und abschließen. Im Mittelpunkt wird dabei nach wie vor der historische und aktuelle Prozeß der Landnahme in den Provinzen Ioba und Bougouriba stehen - die materiellen und symbolischen Dimensionen der Aneignung des Raums und die historisch-kulturelle Konstruktion von Landschaft, Lokalität und ethnischen Grenzen. Besonders im Kontext der in dieser Region ausgeprägten Mobilität verschiedener Bevölkerungsgruppen wird deutlich, daß lokale Gemeinschaften das Ergebnis komplexer Prozesse der Definition räumlicher Grenzen darstellen, in denen die Kriterien der Zugehörigkeit umstritten sind.

Zur politischen und ökonomischen Bedeutung kaufbarer Bünde im Cross River Gebiet (Kamerun/Nigeria).
Projektleiterin: Prof. Dr. Carola Lentz. Mitarbeiterin: Dr. Ute Röschenthaler. Laufzeit: 1998-2001. Förderung: DFG

Das Forschungsprojekt untersucht Geschichte und aktuelle Bedeutung von Bünden, insbesondere der kaufbaren Bünde, im Cross River-Gebiet. Es befaßt sich mit dem Bundkauf als spezifischer Form der Verbreitung kultureller Institutionen und - damit verbunden - der in rechtlicher und ökonomischer Hinsicht interessanten Frage des Transfers von unkörperlichem Eigentum; mit dem Potential kaufbarer Bünde zur Regulierung innerdörflicher Angelegenheiten, zur Durchsetzung lokaler Interessen im ländlichen Raum sowie der Repräsentation lokaler Identität nach außen; mit den durch Bünde und Vereine hergestellten Beziehungen zwischen Dorfgemeinschaften, städtischen Migranten und Nationalstaat. Das Projekt gliedert sich in drei Arbeitsschwerpunkte: A) die historische Rekonstruktion der Bundentstehung und -verbreitung im Cross River-Gebiet; B) die Rolle insbesondere der kaufbaren Bünde in der ländlichen Gesellschaft; C) das Verhältnis von Bünden und Vereinen im Kontext von Stadt und Nationalstat.

Politik und Geschichte mobiler Kulte im Südwesten Burkina Fasos.
Teilprojekt A8 im Sonderforschungsbereich 268 “Westafrikanische Savanne”. Projektleiterin: Prof. Dr. Carola Lentz. Mitarbeiter: Volker Linz, M.A. Laufzeit: 1997-1999. Förderung: DFG. Homepage

Das Projekt beschäftigte sich mit mobilen Kultbünden, einer Institution, die eine zentrale Rolle in den Wechselbeziehungen zwischen Herrschafts-, Siedlungs- und Gemeinschaftsbildungsprozessen und den umgebenden Naturräumen spielt. Im Gebiet der heutigen Provinzen Poni, Comoé, Ioba und Bougouriba werden die wichtigsten Kulte in historischer Perspektive auf ihre politischen und ökonomischen Dimensionen hin untersucht und in ihren regionalspezifischen Ausprägungen vergleichend dargestellt. Es handelt sich dabei um den Baghr entlang des schwarzen Volta, den Dyoro im östlichen, den Zorgho im nördlichen sowie um Kulte des Typs Lo bzw. Poro in den südlichen und westlichen Teilen des Untersuchungsgebietes. Erkenntnisse über Entstehung, Verbreitung und Transformation der Kulte sollen zu einem besseren Verständnis des wechselseitigen Verhältnisses zwischen geopolitischen und ökologischen Räumen im Untersuchungsgebiet beitragen. Untersuchungsthemen sind: 1) der Einfluß geopolitischer Räume (Zentren vs. Peripherien, Nähe oder Ferne zu Handelsrouten, zentralistisch-hierarchische vs. segmentär-"akephale" politische Strukturen) und ökologischer Räume mit verschiedenen Landnutzungsmöglichkeiten (offene Savanne vs. Hügelregionen, Flußläufe, Felsklippen) auf die Verbreitung und spezifische Gestalt der Kulte; 2) die lokalpolitische Bedeutung der Kulte für die Entstehung und Transformation von Herrschaftsstrukturen und die Zuteilung von Siedlungs-, Handels- und Anbaurechten; 3) die Rolle der Kulte als Instrumente der politischen und ökonomischen Einflußnahme mandesprachiger Siedler in gursprachigen Milieus und 4) das Verhältnis der Repräsentanten der „großen“ Religionen Islam und Christentum zu den Betreibern der Kulte.

Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte im Südwesten von Burkina Faso. Teilprojekt A9 im Sonderforschungsbereich 268 „Westafrikanische Savanne“. Projektleiterin: Prof. Dr. Carola Lentz. MitarbeiterInnen: Dr. Richard Kuba, Michaela Oberhofer MA, Dr. Katja Werthmann. Laufzeit 1997-1999. Förderung: DFG. Homepage

Das Projekt beschäftigte sich mit der Transformation der politischen Geographie und ihren Wechselbeziehungen mit dem Naturraum im Gebiet der heutigen Provinz Bougouriba. Untersuchungsschwerpunkte waren: 1) die vorkoloniale Geschichte der Besiedlung (insbesondere der Interaktion zwischen Dagara-Immigranten und älteren Siedlern) und der politischen Netzwerke; 2) die koloniale Einführung von Verwaltungsdistrikten und Häuptlingstümern sowie ihre Beziehung zu vorkolonialen Erdschreingebieten, Erdherren und lokalen strong men; 3) die nachkolonialen Veränderungen der regionalen Verwaltungs- und Siedlungsstruktur. Für die nachkoloniale Periode wurden auch rezente Konflikte um Bodenrecht, politische Ämter und Verwaltungsgrenzen thematisiert sowie die Vorstellungen von „Heimat“ und ihrer wünschenswerten Entwicklung, die die Arbeitsmigranten und die gebildete Elite entwerfen. Ein solcher Gegenwartsbezug ist notwendig, weil die mündlichen Traditionen der Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte ein stark interessebesetztes Feld sind, das sich nur vor dem Hintergrund der Kenntnis rezenter Konflikte entschlüsseln läßt. Die Aufnahme und Analyse mündlicher Geschichte(n) an ausgewählten Orten wird durch eine umfassende Sichtung der relevanten Quellen im Kolonial- und Missionsarchiv und durch Interviews mit Migranten und Politikern ergänzt.

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