Forschungsprojekte

Laufende Forschungsprojekte

Geistiges Eigentum in Afrika: gelebte Praxis und normative Umsetzung

Projekt im Exzellenzcluster 243 „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität Frankfurt.

Trade networks and migration between Africa and Asia

Teil des Projekts „Afraso – Afrikas Asiatische Optionen“, Goethe-Universität Frankfurt. Bearbeitung: Mamadou Diawara, Matthias Gruber, Sandra Khor Manickam, Ute Röschenthaler. Finanzierung: BMBF. Laufzeit: 02/2013-01/2017.

Bimbia Slave Museum: rehabilitation of the Bimbia ruins, Cameroon

Projektkommittee: Stephen Fomin, Henry Kah, Jean-Marc Masseaut, Ute Röschenthaler. Finanzierung: Verschiedene Träger. Laufzeit: ab 2013.

Exploring Local Knowledge in Africa.

Cooperation Project between Institut für Ethnologie, Goethe University, and Centre for West African Studies (CWAS), University of Birmingham. Projektbearbeitung in Frankfurt: Mamadou Diawara, Ute Röschenthaler. Laufzeit: ab Mai 2013. Finanzierung: DAAD

Werbung, Markenbildung und öffentlicher Raum in Mali und Kamerun

2004 -

The project compares advertising in two African countries, Mali and Cameroon. These countries have experienced a different cultural, religious, and commercial history and development, and some aspects of these developments are also reflected in their advertising landscape. By comparing the differences, local advertising styles will be identified as well as local and older forms of advertising that existed before the arrival of mass media and commercial advertising. This approach contextualises modern advertising in different cultural and historical settings. It will also render the concept of the appropriation of media meaningful. Advertising of products reflects highly moral concepts of behaviour, and their transgression may provoke heated debates. Such instances are arenas for the negotiation of cultural values such as the representation of the body, consumption of alcohol and cigarettes, advertising with images of violence or religious images).  

Abgeschlossene Projekte

Westliche Normen und lokale Medien in Afrika

Projekt 11 des Forschungsfelds 2 „Geschichtlichkeit normativer Ordnungen“, Exzellenzcluster 243 „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Projektbearbeitung: Mamadou Diawara, Ute Röschenthaler.
Finanzierung: DFG. Laufzeit: 11/2007-10/2012.

Zusammen mit Prof. Dr. Mamadou Diawara im Rahmen des Exzellenzclusters 243 „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ (Frankfurt/Main). 2007 -2012

Das Projekt untersucht die Rolle der Medien für die Aushandlung normativer Ordnungen im subsaharischen Afrika, insbesondere in Mali (und vergleichend in Kamerun). Die vielschichtigen Umdeutungsprozesse, die der koloniale Transfer westlicher Werte und Normen in Afrika in Gang gebracht hat, treffen in den unterschiedlichen afrikanischen Gesellschaften auf etablierte Wissensbestände und Lebenspraxen und werden jeweils auf dem Hintergrund lokaler kultureller Deutungsmuster interpretiert. Dadurch kommt eine ganz eigene Veränderungsdynamik in Gang, während der diese oft anderen als den ursprünglich beabsichtigten Zwecken zugeführt werden. Es liegen kaum Untersuchungen über die Hintergründe dieser teils bewussten, teils unbewussten Strategien der wechselseitigen Beeinflussung vor. Auch werden Rückkoppelungen der Wirkung Afrikas auf Europa meist völlig außer Acht gelassen. Zudem gingen normative Aneignungsprozesse und Veränderung innerafrikanisch von jeweils benachbarten Gesellschaften wie auch von der Verbreitung des Islam aus. Veränderungen normativer Ordnungen, die durch andere Akteure der Globalisierung vorangetrieben werden, sind also ebenso ein wichtiges Forschungsfeld. Ein weiteres Feld brisanter Debatten um die Durchsetzung von Normen stellt der Umgang mit Urheber- und Patentrechten dar, die in Afrika auf dem Sektor der kulturellen und natürlichen Ressourcen international besondere Relevanz erfahren. Die lokalen und internationalen Rechtfertigungsnarrative werden von den Medien reproduziert und tragen von daher in besonderem Masse zur Normenveränderung bei.  

Zur politischen und ökonomischen Bedeutung kaufbarer Bünde im Cross River-Gebiet (Kamerun/Nigeria)

Gefördert durch die DFG, 1998-2001, Ausarbeitung zur Habilitationsschrift, 2002-2008.

Das Forschungsprojekt hatte zum Ziel, die politische und ökonomische Bedeutung von Bünden, insbesondere der kaufbaren Bünde, im Cross River-Gebiet in ihrer historischen wie ihrer aktuellen Dimension zu untersuchen. Ausgangspunkt war die Frage, wie die Existenz der zahlreichen Bünde im Cross River-Gebiet erklärt werden kann, in dem vorrangig dezentralisierte ethnische Gruppen in relativ kleinen Dörfern leben, in denen nach gängigen theoretischen Ansätzen Bünde nicht vorkommen. Die Ergebnisse dreier längerer Feldforschungsaufenthalte in Kamerun und Nigeria und Recherchen in europäischen, kamerunischen und nigerianischen Missions- und Kolonialarchiven dienten als Basis, die Verbreitungsgeschichte der wichtigsten Bünde und Cult Agencies im Cross River-Gebiet zu rekonstruieren. Hierbei zeigte sich, dass im Cross River-Gebiet Kauf und Verkauf die eindeutig häufigste Verbreitungsweise von Bünden und Cult Agencies darstellt. Sie folgen einem anderen Verbreitungsmodus als Bünde in Europa, wo sie nicht zu den veräußerlichen Bestandteilen der Kultur zählen. Beim Bundkauf werden unkörperliches Eigentum und materielle Güter transferiert. Dabei geht es um den Erwerb von geheimem Wissen über das Funktionieren der Institution sowie um Rechte an Aufführungen und dem öffentlichen Tragen der Bundinsignien gegen Geld (auch vorkolonial) und Güter. Der Erwerb der Institution wird als Investition in symbolischer wie auch in materieller Hinsicht verstanden. In Abwesenheit einer übergreifenden Instanz, die die Einhaltung von Copyrights an "traditionellen" Performances von Bünden rechtlich garantieren würde, sahen und sehen sich die Bünde im Cross River-Gebiet der Tatsache ausgesetzt, diese selbst einzufordern. Abgesehen von diskursivem Protest und ehemals kriegerischen Drohungen gelang dies effektiv nur Bünden, die in der Lage waren, ein regionales Netzwerk zu bilden, das stark genug war, die Weitergabe der Institution und ihre Aufführungen zu kontrollieren und zu verhindern.  

Ornament, Körper- und Objektdekoration in der afrikanischen Kunst

Gefördert durch den DAAD in Zusammenarbeit mit der MSH Paris und dem Musée de l'Homme, 1995-1996.

Das Projekt untersuchte kulturspezifisch geprägte Sichtweisen auf den menschlichen Körper und ihre Beziehung zu Objekten der materiellen Kultur. Mit diesen hängen in entscheidendem Masse die Bewertung des Verhältnisses von Nacktheit und Bekleidung, von Innen und Außen, von Körper und Selbst zusammen. Zwei Aspekte standen im Vordergrund: wie hängen erstens die Veränderung von Kleidung und Dekoration mit der Interpretation des Verhältnisses von Körper und Selbst zusammen? Kann Körperdekoration als eine Form der Bekleidung beschrieben werden, die das Individuum nicht nur sozial verortbar macht, sondern es gleichzeitig ästhetisiert? Mit der Dekoration erhält der unbekleidete Körper eine Bekleidung im übertragenen Sinn, die ihm gleichzeitig Status zuweist. Diese Muster auf dem Körper kehren auf verschiedenen Gegenständen der materiellen Kultur wieder: auf Kalebassen, den von Frauen bemalten Wänden der Versammlungshallen, den vom Schnitzer hergestellten Masken, Aufsatzskulpturen oder Musikinstrumenten und anderen Gegenständen. Der Körper dient zweitens nicht nur als Medium der Dekoration, sondern hat auch symbolische Bedeutung: Er eignet sich, wie Mary Douglas aufzeigte, als „natürliches Symbol“. Fasste man zudem die geometrischen Muster als abstrahierte menschliche Figuren auf, so entstünde eine Art symbolischer Geschichtsschreibung der Lineage auf dem Körper und den Objekten. Das zunächst als Gewebe erscheinende Netz geometrischer Muster würde aus zahlreichen miteinander verknüpften menschlichen Figuren bestehen, das auf dem Körper als „natürlichem Symbol“ basiert. Die Verwandlung des Körpers durch seine Dekoration in Kombination mit dem in der Performance exponierten Körper der Tänzerin, auf dem sich der Blick gleichzeitig durch die fast magische Wirkung der Muster verliert, macht einen wesentlichen Teil der Faszination am dekorierten Körpers aus. Von besonderem Interesse waren dabei Erklärungen für die Entstehung und Akzeptanz des Besonderen und der Persönlichkeit.  

Kunst und Fest. Eine Ethnographie der Ejagham

Gefördert durch das NaFöG Berlin und den DAAD, 1987-1989

Das Promotionsprojekt befasste sich mit einer der zahlreichen ethnographisch kaum erfassten Gesellschaften im Waldland Kameruns, Ejagham (früher Ekoi) genannt. Für die aufgrund der vordem spärlichen Datenlage zunächst ethnographisch ausgerichteten Arbeit standen zwei Aspekte im Vordergrund: Die Untersuchung der Bedeutung der Feste im Jahreszyklus und die besondere Rolle der Frauen im „Kunstschaffen“ der Ejagham. Ergebnis des ersten Aspekts der Untersuchung war die starke Orientierung der Feste an der Trockenzeit unter der weitgehenden Aussparung der Regenzeit. Insgesamt und im Gegensatz zu weiten Teilen des benachbarten Nigerias gibt es im Waldland Kameruns wenige direkt an den Jahreszyklus gebundene Feste. Anlass der in der Trockenzeit gefeierten Feste sind vor allem lebenszeitliche Veränderungen und wettbewerbsorientierte Veranstaltungen, deren Antriebskraft hier entscheidend von Frauen- und Männerbünden ausgeht. Mit der Untersuchung des zweiten Aspekts konnte die bedeutende Rolle der Frauen und ihre komplementäre Aufgabenverteilung in allen Bereichen des Lebens und der Kultur belegt werden. Frauen nehmen künstlerische und handwerkliche Aufgaben wahr wie Wandbemalung, Kalebassenschnitzerei, Töpferei, und treten zu Festen mit ihren Bünden und Performances auf. Frauen besitzen ebenso Bünde und politische Befugnisse wie die Männer. Beide üben diese jeweils in komplementärer Aufgabenverteilung und auch unter wechselseitigem Ausschluss aus. Wie in vielen Teilen Afrikas führte auch im Waldland von Kamerun die weitgehende koloniale Ausblendung der komplementären Institutionen der Frauen langfristig zur Reduzierung ihres Einflusses. Dieses Projekt leistete zum einen durch die Interpretation der künstlerischen Aktivitäten der Frauenbünde speziell einen Beitrag zu der bislang vernachlässigten Frage der Bedeutung afrikanischer Frauen für das  Verständnis des afrikanischen Kunstschaffens. Zum anderen untersuchte es die sich durch den sozialen Wandel ergebenden Veränderungen der Situation der Bünde und ihrer Kunstformen und Performances.