Karla Dümmler, M.A.

Illustration

Thematische Schwerpunkte
Migration, Altern in transnationalen Räumen, Care, Gemeinschaftsforschung, Wirtschaftsethnologie

Regionale Schwerpunkte
Karibik (insbesondere Dominikanische Republik), Deutschland


Altern im Paradies? Sorgepraxen von und für migrantische Ruheständler_innen in der Dominikanischen Republik

Immer mehr europäische und nordamerikanische Ruheständler_innen zieht es in Länder des Globalen Südens. Gründe können günstigere Lebenshaltungskosten, das angenehmere Klima, aber auch der Zugang zu individueller, finanzierbarer Pflege sein. Gleichzeitig tragen die Ruheständler_innen selbst mit unterschiedlichen Tätigkeiten Sorge für ihr verändertes Umfeld, beispielsweise indem sie Straßenhunde bei sich aufnehmen, sich für die Verschönerung ihres Viertels einsetzen oder Spenden für andere, in Not geratene Rentner_innen sammeln. Zwei unterschiedlich strukturierte ‚elderscapes‘ in der Dominikanischen Republik, dem hier fokussierten Zielland, stehen im Fokus des vorliegenden Dissertationsprojekts.

Mit diesem Vorhaben verfolge ich drei zentrale Ziele. Erstens untersuche ich die Identifikationen, Motive und Bedürfnisse der Ruhestandsmigrant_innen in diesem karibischen Land. Welche Lebensgeschichten stehen hinter den Migrationsentscheidungen? Welche Beziehungsgestaltungen und -veränderungen beeinflussen und begleiten den Umzug in die Dominikanische Republik? Wie organisieren die Ruheständler_innen ihre soziale und materielle Versorgung bei eventuellem Pflegebedarf?

Zweitens nehme ich die Transformation lokaler und migrantischer Konzepte von Altern und verschiedenen Care-Praxen in den Blick. Ich frage, welche Idealbilder von Alter kommuniziert werden und welche Varianten gelebt werden. Dabei sollen auch lokale, dominikanische, und ggf. klassenabhängige Ausprägungen mitbedacht werden. Welche Veränderungen werden durch die Migrant_innen in dominikanische Lebenswelten eingebracht und wie werden diese von der dominikanischen Bevölkerung reflektiert und ggf. aufgegriffen?

Drittens ziele ich auf eine weitergehende Theoretisierung transnationalen Alterns. Hier geht es zum einen darum, über die Zuschreibung einer doppelten Marginalisierung hinwegzukommen, die in der Literatur zu Altern und Migration häufig vorzufinden ist. Zum anderen soll transnationales Altern im Kontext einer neuen Nord-Süd-Armutsmigration betrachtet werden, da zahlreiche alternde Menschen eine Prekarisierung ihrer Lebensumstände gerade beim Übergang ins Rentenalter erleben. Kann die Ruhestandsmigration ggf. als eine Entprekarisierungsstrategie der Rentner_innen verstanden werden? Unter welchen Umständen kommt es erst im Zuge der Migration zu prekären Lebenslagen? Welche theoretischen Erkenntnisse können im Zusammenspiel von Ruhestandsmigration, Prekarisierung, Care und dem Kontext der Dominikanischen Republik gewonnen werden?