Gemeinschaft im Exil - Eritreische Netzwerke in Deutschland

Nach einem dreißig Jahre andauernden Befreiungskrieg mit dem Nachbarland Äthiopien, ist Eritrea heute eine unabhängige Nation. Im Jahre 1993 konnte das nordostafrikanische Land seine lang ersehnte Eigenstaatlichkeit proklamieren, doch der Aufbau des Landes, neue Auseinandersetzungen und die Vormachtstellung der ehemaligen Befreier erschweren die Schaffung politischer Stabilität. Zu den Folgen des Krieges zählen auch ca. eine Million Flüchtlinge. Etwa 30.0000 Eritreer leben in Deutschland - sie bilden die größte Exilgemeinschaft in Europa.

Die eritreische Exilgemeinschaft zeichnet sich durch ein hohes Maß an Solidarität und Loyalität untereinander und gegenüber dem Heimatland aus. Auch der Organisationsgrad ist höher als bei anderen Flüchtlingsgemeinschaften.

Das Forschungsprojekt untersucht die Prozesse der Gemeinschaftsbildung eritreischer Migranten in Deutschland. Von besonderem Interesse sind die eritreischen Vereine und andere Institutionen für die Herausbildung eines städte- und länderübergreifenden Netzwerkes und die Verbreitung nationalistischer Ideologien für die Stabilisierung des Zusammenhalts der Exilgemeinschaft.

In der ersten Forschungsphase wurde in einer deutschlandweiten Vergleichsstudie zunächst die Ausprägung und Reichweite der eritreischen Netzwerke in Deutschland und der Einfluss der Organisationen auf Alltag und Einstellungen der Exilanten untersucht. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass sich die Grundlagen der Gemeinschaftsbildung der Migranten teils aufgrund der Entwicklungen im Heimatland, teils aufgrund der in Deutschland heranwachsenden "zweiten Generation" verändert haben.

In der zweiten Forschungsphase sollen nun insbesondere die festgestellten Differenzen und Veränderungen innerhalb der Exilgemeinschaft beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang soll auch der indirekte und direkte Einfluss des Herkunftsstaates auf die Exilgemeinschaft(en) berücksichtigt werden. Das Projekt will damit einen Beitrag zur Forschung über die Kultur und Organisation afrikanischer Migranten in Deutschland und zur Diskussion über Flucht, Diaspora und Nationalismus leisten.

Die Ergebnisse einer ersten Untersuchung der eritreischen Netzwerke in Frankfurt sind in der Reihe Arbeitspapiere des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Nr. 11 (2002) veröffentlicht. Nina von Nolting, 2002. Gemeinschaft im Exil: Eritreische Flüchtlinge in Frankfurt am Main (113 S./ 436 KB).  


Community in Exile - Eritrean Networks in Germany

After thirty years of war with its neighboring country Ethiopia, Eritrea is now an independent nation. In 1993 the North East African country was finally able to claim its long sought-after sovereignty, but the social and economic situation and the dominating position of the former liberators complicate any political stability. Among the consequences of the war, there are an additional million refugees. About 30.000 Eritreans living in Germany - they are the largest community of Eritrean exiles in Europe.

The Eritrean exile community is marked by a high degree of solidarity and loyality amongst themselves and towards their home country. Also, their degree of organization is higher than in other refugee communities. The research project explores the community-building processes of Eritrean migrants in Germany and in particular the influence of Eritrean associations and other institutions. The research will throw a light on their role in building a (trans)national network and on the different ways of propagating nationalistic ideologies to stabilize the unity of the group.

At this point, the research project focussed on the scope, strategies and goals of Eritrean self-organization in Germany and the influence of associations on the everyday life and attidudes of exiles.

The research results show that the conditions for community building among the Eritrean migrants have changed; partly because of the developments in their home country, partly because of the growing influence of the "second generation" that has grown up in Germany. The study will now focus on these changes among the exile community. In this context the direct and indirect impact of the migrants' country of origin will be examined.

The project contributes to the research on culture and organisation of African migrants in Germany and to the discussion of flight, diaspora and nationalism.