Franziska Reiffen, M.A.

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Thematische Schwerpunkte
Migration, Displacement, Care, Postmigrantische Forschung

Regionale Schwerpunkte
Südamerika (Argentinien)

 

Juniormitglied des 13. Jahrgangs der Gutenberg-Akademie


Dissertationsprojekt: South-south migration and experiences of dis(em)placement in Argentina

Nicht nur entlang der vieldiskutierten Süd-Nord-Routen der Migration, sondern vor allem innerhalb des sogenannten Globalen Südens zeichnen sich zur Zeit neue Migrationstrends ab: Argentinien, das ebenso wie andere lateinamerikanische Länder ohnehin auf eine ausdifferenzierte Migrationsgeschichte blickt, entwickelte sich seit den 2000er Jahren verstärkt zum Ziel für MigrantInnen aus afrikanischen und karibischen Ländern. Gleichzeitig gingen neoliberale Tendenzen nicht nur bei MigrantInnen, sondern auch bei einer breiteren argentinischen Unter- und unteren Mittelschicht mit Erfahrungen der Verdrängung, Vertreibung und Prekarisierung einher. Die von diesen Prozessen der Entortung (displacement) betroffenen Menschen streben danach, sich sozial zu vernetzen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Beziehungen aufzubauen und damit im Sinne eines place-making sozial bedeutungsvolle Orte (wieder)herzustellen.

Ausgehend von einer ethnographischen Forschung in Einkaufszentren der argentinischen Metropole Buenos Aires, in denen MigrantInnen aus verschiedensten Ländern neben und mit ArgentinierInnen aus den unteren gesellschaftlichen Schichten arbeiten und ihre Zeit verbringen, will diese Dissertation Verläufe des dis- und emplacement in den Blick nehmen, ohne dabei die migrantische Kondition zur entscheidenden Analyseeinheit zu machen. Zentral wird dabei die Frage sein, wie und entlang welcher Kategorisierungen Menschen in Entortungskontexten bedeutungsvolle soziale Beziehungen herstellen und füreinander Sorge tragen, um zu verstehen, wie sie sich solidarisieren oder voneinander absetzen. Auf diese Weise macht sich das Forschungsprojekt zum Ziel, die derzeit die Migrationsforschung nach wie vor dominierende eurozentrische Perspektive zu korrigieren und den displacement-Begriff für eine von postmigrantischen Ansätzen inspirierte Forschung nutzbar zu machen.

Bild: Einkaufszentrum in der Innenstadt von Buenos Aires (Foto©: Franziska Reiffen, 2017)