Un/Doing Albinismus. Rekodierungen einer verkörperten Differenz in historisch variablen Rahmungen

Teilprojekt im Rahmen der DFG Forschergruppe 1939 Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Albinismus ist der medikalisierte Ausdruck für ein körperliches Erscheinungsbild, dessen hervorstechendstes Merkmal die Hypopigmentierung von Haut, Haaren und Netzhaut ist. Dieses Erscheinungsbild weicht weltweit von körperlichen Normen ab, sodass Hypopigmentierte vielerorts stigmatisiert und diskriminiert werden. Dabei wird das Phänomen oft ambig zwischen den Differenzkategorien "Rasse" und "Behinderung" wahrgenommen. Das Teilprojekt untersucht das un/doing albinism als ein exemplarisches un/doing difference in makro-historischer Perspektive über einen Zeitverlauf von ca. 500 Jahren. Die Beobachtung dieser longue durée erfolgt im transatlantischen Dreieck zwischen Europa, Afrika und Nordamerika. Ziel ist es, die Geschichte der Hypopigmentierung in ihrer trikontinentalen Verflechtung zu untersuchen. Heuristisch unterscheidet das Teilprojekt drei Phasen, die mit unterschiedlichen Deutungsrahmen einhergehen: in der proto-albinistischen Phase werden hypopigmentierte Menschen als Rassezwitter oder Mensch-Geist-Hybride konzeptualisiert; in der albinistischen Phase als Menschen mit einem genetisch bedingten Syndrom; in der post-albinistischen Phase als Personen mit bestimmten ästhetischen Qualitäten. Das Teilprojekt untersucht die Rekodierung von Hypopigmentierung durch den Wechsel von Deutungsrahmen – Rassediskurs, Magie, Medizin und Kunst –, die teils in historischer Abfolge, teils zeitgleich in unterschiedlichen sozialen Feldern existieren. Die Rahmenverschiebung wird dabei einerseits als kontingenter Effekt sich wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse begriffen, andererseits als konkrete Praxis des Undoing, die von sozialen Bewegungen ausgeht.

Foto: Bilder aus Miia Autios Fotoserie ‚Variation of White‘ bei der Ausstellungseröffnung von ‚gute aussichten 2016/2017‘ im NRW-Forum Düsseldorf. (© Christopher Hohl, 2016)